Sicherheitskooperation und strategische Kultur. Möglichkeiten und Hindernisse internationaler Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr

Projektleiter: Dr. Oliver Meier

Projektbearbeiterin: Katarzyna Kubiak

Förderzeitraum: September 2015 bis August 2017

Fördervolumen: 100 Tsd. Euro

 

Zusammenfassung

 

Problemstellung und forschungsleitende Fragen

Pläne zum Aufbau von Raketenabwehrsystemen haben bestehende zwischenstaatliche Konkurrenzen in Europa verschärft, insbesondere zwischen Russland und den USA, bzw. der NATO. Neben divergierenden Interessen, unterschiedlichen technologischen und finanziellen Kapazitäten beeinflussen auch Vorannahmen über die Anwendung militärischer Gewaltmittel die Kooperation zwischen Staaten. Der Einfluss strategischer Kulturen kann den Aufbau kooperativer Sicherheitsstrukturen befördern oder ihm entgegenwirken. Unter welchen Umständen und wie diese Einflussnahme stattfindet, ist aber bisher kaum untersucht. Dieses Projekt analysiert am Beispiel Raketenabwehr, wie Leitbilder die Möglichkeit einer besseren sicherheitspolitischen Zusammenarbeit in Europa beeinflussen.

 

Theoretisch-methodische Grundlegung des Vorhabens

Untersuchungsgegenstand sind Anstrengungen zum Aufbau von Raketenabwehr-kapazitäten in Europa in drei Staaten. Deutschland als europäische Mittel- und Zivilmacht hat ein Interesse am Aufbau integrativer und kooperativer Sicherheitsstrukturen. Russland sieht die internationale Politik vor allem aus einer machtpolitischen Perspektive. In den USA hingegen konkurrieren unterschiedliche Konzeptionen – vereinfacht gesprochen ein liberales Leitbild, in dem die USA als kooperativer Partner in der internationalen Gemeinschaft agiert vs. ein konservatives Leitbild von den USA als Hegemon – miteinander. Ziel des Projekts ist eine Generierung von Aussagen darüber, wie diese Leitbilder die Möglichkeit der Zusammenarbeit beeinflussen.

Im Rahmen dieses Vorhabens soll zunächst analysiert werden, welchen Einfluss strategische Kulturen in Deutschland, Russland und den USA auf die Politik dieser Staaten im Problemfeld Raketenabwehr von 1991-2013 gehabt haben. Eine Beschreibung der Raketenabwehrpolitiken in vier für die Kooperation entscheidenden Politikfeldern (Verteidigung, Politik, Wirtschaft, Rüstungskontrolle) bildet die Basis der Untersuchung (unabhängige Variable). Die unterschiedlichen Leitbilder der drei Staaten (intervenierende Variable) werden in ihren Auswirkungen auf die Raketenabwehrpolitiken beschrieben. Abschließend sollen die Untersuchungsergebnisse auf den Zeitraum 2014-15, d.h. die Diskussion über Raketenabwehr vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts angewendet werden.

 

Relevanz für die Friedens- und Konfliktforschung und Originalität des Vorhabens

Aus Sicht der Friedens- und Konfliktforschung leistet dieses Projekt einen Beitrag zur Debatte um den Einfluss von normativen Vorannahmen auf außen- und sicherheitspolitische Entscheidungsprozesse. Bisher ist die Bedeutung solcher Faktoren vornehmlich mit Blick auf Inhalt und Form von politischen Entscheidungsprozessen zur militärischen Gewaltanwendung untersucht worden. Die friedenspolitisch wichtigere und für die deutsche Außenpolitik relevantere Frage nach dem Einfluss von Leitbildern auf Möglichkeiten der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit wurde bisher kaum analysiert.

Gerade vor dem Hintergrund des aktuellen Konflikts zwischen der NATO und Russland – der durch Differenzen über den Aufbau von Raketenabwehrsystemen weiter verschärft wird – ist diese Frage relevant. Ihre Klärung kann dazu beitragen, dass politische Entscheidungsträger die Möglichkeiten und Grenzen der Zusammenarbeit beim Aufbau defensiver Waffensysteme klarer beurteilen.

 

Project Summary 

 

Research Question

Plans to build missile defense systems have intensified existing rivalries, in particular between Russia and the United States, as well as NATO. Diverging interests, different technological, financial capacities and assumptions about the use of military force affect cooperation between states. The influence of strategic cultures can promote the development of cooperative security structures or counteract it. The circumstances of influence are not sufficiently understood. This project uses the example of missile defense to analyze how guiding principles (Leitbilder) affect the opportunities for better security cooperation in Europe.

Theoretical and Methodological ApproachThe research focuses on efforts to build missile defense capabilities in Europe in three states. Germany as a European civil power has an interest in building more inclusive and cooperative security structures. Russia sees international politics mainly from a strategic and geopolitical perspective. In the United States different concepts compete. A liberal model, in which the United States acts as a cooperative partner in the international community competes with a conservative model of the United States as a hegemon. The aim of the project is to generate statements about how these models affect the possibility of cooperation on missile defense. In the first part of this project, we will analyze the impact of strategic cultures in Germany, Russia and the United States on their policies regarding missile defense between 1991-2013. A description of missile defense policies in four policy areas (defense, politics, economy and arms control) forms the basis of the analysis (independent variable). A description of how the different guiding principles (Leitbilder) of the three states influence missile defense policies will follow (intervening variable). Finally, the results will be discussed in the context of the Ukraine conflict.

Relevance for Peace and Conflict Research From the perspective of peace and conflict studies, this project contributes to the debate about the influence of normative presumptions on foreign and security policy decision-making. So far, the importance of such factors has been mainly studied with a view to the content and form of policy-making decisions on the use of military force. More important from the perspective of peace studies and more relevant for German foreign policy is the question how guiding principles influence security cooperation.

Against the background of the current conflict between NATO and Russia - which is exacerbated by differences over missile defense - this question is particularly relevant. It can help policy-makers to better assess the possibilities and limitations of cooperation on defensive weapons systems.

AUS DEN GREMIEN:

 

Neuberufungen in den Stiftungsrat

 

Neues Führungsteam der DSF

 

Neue Mitglieder im Wissenschaftlichen Beirat

 

schneckener aktuell
Informationen zur Teilnahme des Vorstands-Vorsitzenden an Kick-off conference

 

Veranstaltungen der Stiftung:

 

Transferveranstaltungen im Rahmen des Projektes „Salafismus in Deutschland. Forschungsstand und Wissenstransfer“

 

15 Jahre Deutsche Stiftung Friedensforschung

Veranstaltung aus Anlass des 15jährigen Bestehens der Stiftung
10. März 2016, 18 Uhr, Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück

zum Bericht

 

NEU IN DER PROJEKTFÖRDERUNG

FÖRDERKONZEPT DSF

 

Foerderkonzept



 

 

NEUE PUBLIKATIONEN

Stiftungseigene Veröffentlichungen

 

Projektpublikationen

 




Handbook on Sustainability Transition and Sustainable Peace
Herausgeber: Brauch, H.G., Oswald Spring, Ú., Grin, J., Scheffran, J. (Eds.) 
Springer 2016

 

dembinski

 

"Auslandseinsätze evaluieren. Wie lässt sich Orientierungswissen zu humanitären Interventionen gewinnen?" von Matthias Dembinski und Thorsten Gromes, HSKF-Report Nr. 8/2016

 

peacebuilding


Peacebuilding in Crisis
Rethinking Paradigms and Practices of Transnational Cooperation
Edited by Tobias Debiel, Thomas Held, Ulrich Schneckener
Routledge 2016

neueste Rezension in: Wissenschaft und Frieden 3/2016, S. 55-56

 

 

 

 

Friedensgutachten 2016 

 

 

 

 

Friedensgutachten 2016

 

 

frieden lernen cover 

Frieden lernen mit Reportagen

 

 

 

 


 

 

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