Disentangling International and Local Understandings in Peacebuilding. Insights from the 'Laboratory' of Bougainville

 

Projektleiter: Prof. Dr. Tobias Debiel, Institut für Entwicklung und Frieden der Universität Duisburg-Essen
Projektbearbeiter/in: Patricia Rinck und Dr. Volker Boege
Förderzeitraum: Oktober 2015 bis Dezember 2016
Fördervolumen: 99 Tsd. Euro


Zusammenfassung

 

Das Projekt thematisiert die Beziehungen und Interaktionen internationaler und lokaler Akteure in Prozessen der Friedenskonsolidierung (Peacebuilding). Es analysiert, wie sich Wahrnehmungen, Erwartungen, Einstellungen und Verhaltensweisen an der Schnittstelle von lokaler und internationaler Ebene verändern. Dabei gilt das Hauptaugenmerk dem Wandel der Akteurs-Beziehungen und der Art, wie Friedensprozesse gerahmt werden. Diese Fragestellung wird vorrangig anhand einer Fallstudie zu Bougainville (Papua-Neuguinea) untersucht. Ergänzend erkundet eine Studie, ob sich der Ansatz auf andere Fälle des Peacebuilding in kleinen Staaten bzw. De-facto-Staaten übertragen lässt, so etwa auf Somaliland, Sierra Leone und Timor Leste.
Der Friedensprozess auf Bougainville gilt als Erfolgsgeschichte. Er erfuhr internationale Unterstützung durch eine regionale, zivil-militärische Friedenstruppe und eine kleine UN-Mission. Nach der Stabilisierung der Sicherheitslage halfen internationale NGOs, Entwicklungsorganisationen und UN-Agenturen bei Wiederaufbau und Friedenskonsolidierung.
Aufgrund seiner Insellage und seiner geringen Größe kann Bougainville als eine Art ‚Laboratorium‘ für Peacebuilding betrachtet werden. Internationale und lokale Akteure und Institutionen treten recht unmittelbar zueinander in Beziehung, insofern die Zentralregierung kaum präsent ist und die staatlichen Institutionen Papua-Neuguineas relativ schwach sind. Gleichzeitig ist ein breites Spektrum internationaler und lokaler Akteure engagiert, zu denen gute Feldzugänge bestehen.
Im Zentrum der Fallstudie stehen narrative, problemorientierte Interviews. Sie spüren die unterschiedlichen Verständnisse von Frieden und Peacebuilding auf und erkunden, wie diese in spezifische Epistemologien und Weltsichten eingebettet sind. Dabei soll auch erfasst werden, wie die Akteure die jeweils ‚andere Seite‘ wahrnehmen und die Beziehungen zu und Interaktionen mit den ‚Anderen‘ interpretieren und bewerten. In einer zweiten Forschungsphase konfrontieren wir die internationalen Akteure mit den Narrativen der lokalen Akteure, und umgekehrt die lokalen mit jenen der internationalen Akteure. Dies macht es beiden Seiten möglich, sich mit den Wahrnehmungen, Deutungen und Wertungen des Gegenübers bzw. der Gegenüber auseinanderzusetzen. Auf der Basis dieses Austausches rekonstruieren wir unterschiedliche Verständnisse von Friedenskonsolidierung. Zugleich wollen wir die Akteure anhalten, über Stärken und Schwächen des Prozesses und ihrer Beziehungen nachzudenken. Die Studie zu Fällen wie Somaliland, Sierra Leone und Timor Leste soll herausfinden, ob sich hier ähnliche Prozesse wie in Bougainville identifizieren lassen. Sie stützt sich auf die einschlägige Literatur sowie Experteninterviews.
Das Projekt verortet sich in Diskursen, die sich mit dem ‚liberalen Frieden‘, seiner Kritik und der Erkundung post-liberaler Alternativen befassen. Wir konzeptualisieren Peacebuilding in diesem Kontext als relational und interaktiv und folglich als Feld politischer Auseinandersetzungen. Das Projekt ist eingebettet in aktuelle Forschungen zu Relationalität, Komplexität und Hybridität; zugleich treibt es diese Forschung für das Feld des Peacebuilding voran, indem es den ‚local turn‘ konkretisiert und das Verhältnis zwischen ‚Internationalem‘ und ‚Lokalem‘ differenziert. Das ‚Lokale‘ erscheint dabei als umstrittenes Feld, auf dem unterschiedliche lokale und internationale Diskurse und Praktiken koexistieren, ineinander greifen und sich überlagern, was die Hybridisierung von Peacebuilding zur Folge hat. Auf Basis unserer Untersuchungen werden wir versuchen, praxisorientierte Vorschläge zu unterbreiten, wie in innovativer Weise über Veränderungen des Peacebuilding reflektiert werden kann und sich Dialoge und Prozesse wechselseitigen Lernens initiieren lassen.

 

Abstract


The project addresses the relationships and interactions of international and local actors in post-conflict peacebuilding interventions. It explores the changes that occur in the course of interactions with regard to the actors’ perceptions, expectations, attitudes and activities, and how these changes lead to recalibrations of relationships and, consequently, a re-articulation of the overall peacebuilding exercise. It will do so primarily through an in-depth case study of post-conflict peacebuilding on the island of Bougainville in Papua New Guinea (PNG). The case study will be complemented by a study which explores the feasibility of applying the approach to other peacebuilding cases in small states or de-facto states such as East Timor, Somaliland and Sierra Leone.
Post-conflict peacebuilding on Bougainville stands out as a success story. International peacebuilding support comprised a civil-military intervention of a regional Peace Monitoring Group, plus a small UN Observer Mission. After the stabilisation of the security situation foreign development agencies, international NGOs and United Nations programmes and institutions became active on Bougainville in support of reconstruction, rehabilitation and peacebuilding.
Its insularity as well as its smallness makes Bougainville a kind of a peacebuilding ‘laboratory’. International/local relations and interactions are rather direct, given the weakness of the presence and influence of the central government and of PNG state institutions. The spectrum of peacebuilding actors, both international and local, is at the same time broad, and easy to grasp due to the relative small size and insularity of the place.
At the core of the Bougainville case study are narrative and problem-centred interviews. They will explore the different understandings of peace(building) and their embeddedness in specific worldviews and epistemologies as well as actors’ perceptions of ‘the other side’ and their relationships and exchanges with these others. In a second stage of research, locals’ narratives will be conveyed to international actors, and vice versa. This will allow locals and internationals to engage with the others’ narratives. Flowing from this exchange, varying understandings of the peacebuilding intervention can be reconstructed, and actors will be encouraged to identify its shortcomings and strengths. The literature- and interview-based study on cases like Somaliland, Sierra Leone and East Timor will explore whether processes similar to that on Bougainville can (or cannot) be identified in those settings.
The project is positioned within a prominent stream of the current academic and policy oriented peacebuilding discourse. It engages with the ongoing debates about the ‘liberal peace’, its critique, and explorations of post-liberal alternatives. In this context, peacebuilding is conceptualised as an interface, as relational and interactive, hence as a field of contestation and politics. The project is thus embedded in research on relationality, complexity and hybridity in peacebuilding; at the same time  it ventures into so far largely unchartered waters by taking the ‘turn to the local’ in peacebuilding research and practice seriously, disentangling ‘the local(s)’ and ‘the international(s)’ and conceptualizing ‘the locale’ as contested ground on which different discourses and practises of peace and peacebuilding co-exist, intertwine and overlap and, consequently, are hybridised. On this basis, it sketches new, policy-oriented ways for reflecting on and changing peacebuilding practices, exploring avenues for initiating dialogue and mutual learning. The findings of the project will be transferred to and discussed with a broad range of policy-makers, practitioners and scholar-practitioners.


AUS DEN GREMIEN:

 

Neuberufungen in den Stiftungsrat

 

Neues Führungsteam der DSF

 

Neue Mitglieder im Wissenschaftlichen Beirat

 

schneckener aktuell
Informationen zur Teilnahme des Vorstands-Vorsitzenden an Kick-off conference

 

Veranstaltungen der Stiftung:

 

Transferveranstaltungen im Rahmen des Projektes „Salafismus in Deutschland. Forschungsstand und Wissenstransfer“

 

15 Jahre Deutsche Stiftung Friedensforschung

Veranstaltung aus Anlass des 15jährigen Bestehens der Stiftung
10. März 2016, 18 Uhr, Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück

zum Bericht

 

NEU IN DER PROJEKTFÖRDERUNG

FÖRDERKONZEPT DSF

 

Foerderkonzept



 

 

NEUE PUBLIKATIONEN

Stiftungseigene Veröffentlichungen

 

Projektpublikationen

 




Handbook on Sustainability Transition and Sustainable Peace
Herausgeber: Brauch, H.G., Oswald Spring, Ú., Grin, J., Scheffran, J. (Eds.) 
Springer 2016

 

dembinski

 

"Auslandseinsätze evaluieren. Wie lässt sich Orientierungswissen zu humanitären Interventionen gewinnen?" von Matthias Dembinski und Thorsten Gromes, HSKF-Report Nr. 8/2016

 

peacebuilding


Peacebuilding in Crisis
Rethinking Paradigms and Practices of Transnational Cooperation
Edited by Tobias Debiel, Thomas Held, Ulrich Schneckener
Routledge 2016

neueste Rezension in: Wissenschaft und Frieden 3/2016, S. 55-56

 

 

 

 

Friedensgutachten 2016 

 

 

 

 

Friedensgutachten 2016

 

 

frieden lernen cover 

Frieden lernen mit Reportagen

 

 

 

 


 

 

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