Die Funktion regionaler ökonomischer Kooperationsprojekte und der Mehrebenen-Diplomatie für die Konflikttransformation in der Grenzregion Nordostindien-Südwestchina-Bangladesch-Myanmar

 

Projektleiter/in: Jun.-Prof.  Dr. Anja Senz, Dr. Dieter Reinhardt, Universität Heidelberg
Projektbearbeiter: Dr. Dieter Reinhardt
Förderzeitraum: Oktober 2015 bis Mai 2016
Fördervolumen: 20 Tsd. Euro

 

Zusammenfassung

 

In Asien ist in der letzten Dekade eine zwischenstaatliche Dynamik der Etablierung neuer regionaler Kooperationen zu beobachten. Dieser Regionalisierungsprozess umfasst politische, ökonomische und kulturelle Initiativen. Dazu zählt auch der so genannte „Bangladesch-China-Indien-Myanmar Prozess“ (BCIM). Diese Region ist jedoch geprägt von drei grenzüberschreitend miteinander verzahnten Konfliktkonstellationen: ethnopolitischen Auseinandersetzungen, Ressourcenkonflikten und Grenzstreitigkeiten. Dennoch haben sich die sino-indischen Beziehungen seit ca. 10 Jahren zumindest auf der zentralstaatlichen, diplomatisch-rhetorischen Ebene kontinuierlich verbessert. Im Jahr 2013 verständigten sich Indien und China zunächst bilateral und dann auch mit Bangladesch und Myanmar auf die Einrichtung eines „Economic Corridor“ (BCIM EC). Die damit verbundenen Ziele sind die Erweiterung des regionalen Handels u.a. durch den Ausbau der Grenzübergänge, die beschleunigte Ausbeutung der rohstoffreichen Region, der Aufbau industrieller Wachstumszonen sowie die Förderung kulturellen Austauschs. Außerdem ist der Ausbau der jahrzehntelang blockierten regionalen Verkehrsinfrastruktur, insbesondere zwischen Kolkata (Hauptstadt des indischen Bundesstaates Westbengalen) und Kunming (Hauptstadt der chinesischen Provinz Yunnan) geplant. Auch eine Städtepartnerschaft zwischen Kolkata und Kunming wurde vereinbart. Eine offene Frage ist, inwieweit die getroffenen Vereinbarungen angesichts der Komplexität existierender Spannungen in der BCIM-Region umgesetzt werden können. Außerdem besteht mit Blick auf eine zu erwartende, selektive oder bruchstückhafte Umsetzung das Risiko einer Verschärfung bestehender Konflikte, insbesondere in den Grenzregionen von Nordostindien, Bangladesch, Myanmar und Südwestchina.

Die Pilotstudie wird erstens analysieren, wie die am BCIM EC-Projekt beteiligten zentral- und lokalstaatlichen (Track 1), ökonomischen (Track 2) und zivilgesellschaftlichen (Track 3) Akteure aus Indien und China die Konflikte bewerten und welche Lösungsansätze sie ggf. favorisieren. Zweitens wird am Beispiel der beiden wichtigsten Grenzübergänge zwischen Nordostindien und Myanmar sowie zwischen Südwestchina und Myanmar untersucht, ob und ggf. welche Handelstätigkeiten zunehmen, und welche Effekte dies für eine Verschärfung oder Verringerung lokaler Spannungen und für eine Stärkung oder Schwächung transkultureller Verflechtungen hat.

Überprüft wird die These des Mehrebenen-Diplomatie-Ansatzes „Building peace across borders“ von Alexander Ramsbotham und William Zartman, derzufolge erfolgreiche Friedensinitiativen in regionalen Konfliktsystemen nationalstaatliche Blockaden überwinden durch Kooperationen von lokalen, grenzüberschreitenden, nicht-staatlichen sowie regionalen, multilateralen Initiativen. Eine besondere Bedeutung wird dabei der Zusammenarbeit von Track 2- und Track 3-Akteuren zugeschrieben, denen es gelingt, den grenzüberschreitenden Handel zum Ausgangspunkt für die Entwicklung einer regionalen Friedenökonomie zu machen. Zu den erwarteten Ergebnissen der Pilotstudie zählt:
a) die Beurteilung, inwieweit die am BCIM EC-Projekt beteiligten Akteure Konfliktlösungsansätze als integralen Bestandteil ihrer Politiken betrachten und welche Konzepte sie hierzu verfolgen,
b) die Analyse des friedensökonomischen Potentials zweier Grenzübergangsregime sowie
c) die Formulierung von Ansätzen zum Abbau von Spannungen durch friedensökonomische Initiativen und transkulturelle Bezüge.

Die Originalität der Studie besteht darin, dass durch zwei Fallstudien konkrete lokale Probleme und Perspektiven des BCIM EC-Projekts eruiert werden sowie Perspektiven der traditionell getrennten regionalen Forschungsgebiete der Südasien- und Ostasien-Studien zusammengeführt werden.

 

Abstract


In the last decade, Asia has faced a new dynamic in establishing regional cooperation. This process of regionalization encompasses political, economic and cultural initiatives, and the so-called “Bangladesh-China-India-Myanmar process” (BCIM) is one such example. But the region is dominated by three conflict formations which are interlinked across the borders: ethno-political contentions, resource conflicts and border disputes. At the same time, Sino-Indian relations have consistently improved in the last ten years ‒at least on the diplomatic and rhetorical level. Furthermore, in 2013 India and China agreed to establish a joint “Economic Corridor,” which eventually included also Bangladesh and Myanmar (BCIM EC). The objectives of the BCIM EC-project are the expansion of regional trade (i.e. by opening up new border posts), the accelerated exploitation of the resource-rich region, and the establishment of industrial growth zones and the promotion of cultural exchanges. What is more, there are plans to reconstruct the regional transportation infrastructure between Kolkata (the capital of Westbengal/India) and Kunming (the capital of Yunnan province/China), which has been blocked for decades. Additionally Kolkata and Kunming have agreed to become sister cities in 2013. It remains an open question, how far the joint declarations can be successfully implemented given the complexity of the existing tensions. Moreover, if policies are only selectively or partly implemented, current conflicts in the border region of Northeast India, Bangladesh, Myanmar and Southwest China might aggravate.

The project first will analyze how actors hailing from India and China’s central and local governments (Track 1), the business community (Track 2) and civil society (Track 3) assess the current conflicts and what type of resolution – if any – they favor. Second, a case study of two important border posts ‒between Northeast India and Myanmar, and Myanmar and Southwest China, respectively‒ will be conducted with regard to the development of cross border trade and the effects of these changes in terms of an intensification or reduction of local tensions and an increase or decrease of transcultural interrelations.

The project reviews the hypothesis of the multi-level diplomacy concept Building Peace Across Borders from Alexander Ramsbotham and William Zartman, according to which successful peace initiatives in regional conflict systems are able to overcome national blockades through a cooperation of local, cross-border, non-governmental and regional, multilateral initiatives. Particular importance in this regard is ascribed to Track 2 and Track 3 actors, who are capable to use cross-border trade as a starting point for a regional “peace economy”.

Among the expected results of the pilot study are:
a)    an assessment on how far conflict resolution policies are regarded significant by the actors involved in the BCIM EC project,
b)    an analysis of the peace-promoting quality of two border post-regimes,
c)    the formulation of approaches to defuse tensions by “peace economy”-initiatives and transcultural references.

The originality of the research project lies firstly in the analyses of current prospects of the BCIM EC project through two case studies, and secondly in the combination of perspectives of the traditionally separated regional research areas of South and East Asian Studies.


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Informationen zur Teilnahme des Vorstands-Vorsitzenden an Kick-off conference

 

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Transferveranstaltungen im Rahmen des Projektes „Salafismus in Deutschland. Forschungsstand und Wissenstransfer“

 

15 Jahre Deutsche Stiftung Friedensforschung

Veranstaltung aus Anlass des 15jährigen Bestehens der Stiftung
10. März 2016, 18 Uhr, Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück

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Handbook on Sustainability Transition and Sustainable Peace
Herausgeber: Brauch, H.G., Oswald Spring, Ú., Grin, J., Scheffran, J. (Eds.) 
Springer 2016

 

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"Auslandseinsätze evaluieren. Wie lässt sich Orientierungswissen zu humanitären Interventionen gewinnen?" von Matthias Dembinski und Thorsten Gromes, HSKF-Report Nr. 8/2016

 

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Peacebuilding in Crisis
Rethinking Paradigms and Practices of Transnational Cooperation
Edited by Tobias Debiel, Thomas Held, Ulrich Schneckener
Routledge 2016

neueste Rezension in: Wissenschaft und Frieden 3/2016, S. 55-56

 

 

 

 

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