Transnationales Peacebuilding als Süd-Süd-Kooperation: Brasiliens MINUSTAH-Engagement in Haiti

 

Projektleiter: Prof. Dr. Markus-Michael Müller, FU Berlin
Projektbearbeiterin: Andrea Steinke, M.A.
Förderzeitraum: Dezember 2015 bis November 2016
Fördervolumen: 20 Tsd. Euro

 

Zusammenfassung

 

Staaten aus dem globalen Süden tragen gegenwärtig die personelle Hauptlast internationaler Friedenseinsätze unter dem Mandat der Vereinten Nationen (UN). Unter diesen Staaten nehmen lateinamerikanische Blauhelme eine zunehmend zentrale Rolle ein. Von den 97.729 Blauhelmen, die sich gegenwärtig weltweit im Einsatz befinden, stellen lateinamerikanische Staaten 6.246 Friedenstruppen von denen 4.322 gegenwärtig in Haiti stationiert sind (UNPDO 2014). Auch wenn die Staaten Lateinamerikas damit noch weit von den führenden UN—„Truppenlieferanten“ wie Indien Bangladesch, oder Pakistan entfernt sind, ist das wachsende Interesse lateinamerikanischer Staaten nach dem Ende der Militärdiktaturen und dem des Kalten Krieges eine zunehmend aktive Rolle in internationalen Friedensmissionen einzunehmen, nicht zu übersehen.

Die zunehmende Präsenz lateinamerikanischer Staaten in UN Friedensmissionen hat bisher relativ wenig Interesse seitens der Friedens—und Konfliktforschung auf sich gezogen. Die beantragte Pilotstudie zielt deshalb darauf, diese Forschungslücke zu schließen und zu einem besseren Verständnis internationaler UN—Friedensmissionen mit lateinamerikanischer Beteiligung, insbesondere hinsichtlich deren Effektivität und Legitimität, beizutragen.

Zu diesem Zweck untersucht die auf zwölf Monate angelegte Pilotstudie die sowohl quantitativ (im Sinne der allgemein bereitgestellten BlauhelmsoldatInnen und im Sinne der Missionsdauer) als auch qualitativ (im Sinne der internationalen Relevanz) wichtigste gegenwärtige UN-Friedensmission mit lateinamerikanischer Beteiligung, die United Nations Stabilization Mission in Haiti (MINUSTAH) am Beispiel der Rolle Brasiliens, das nicht nur das größte Truppenkontingent stellt, sondern auch seit Beginn der Mission im Jahr 2004 die Verantwortung für die militärische Führung innehat.

Die Pilotstudie fragt danach, ob Brasiliens Rolle als postkoloniale „emerging power“ die Effektivität und die Legitimität internationaler Friedenseinsätze erhöht, und wenn ja, wie? Die Beantwortung dieser Frage verspricht über den von der Pilotstudie untersuchten Fall hinausreichende Rückschlüsse auf die Effektivität und Legitimität von Süd-Süd-Kooperationen im Rahmen internationaler Friedenseinsätze und trägt zur Debatte um die Frage bei, ob und auf welche Weise Süd-Süd-Kooperationen im Bereich internationaler UN-Friedensmissionen hinsichtlich deren Effektivität und Legitimität erfolgreicher sind als Interventionen unter der Federführung von Staaten aus dem globalen Norden. Hieraus lassen sich wichtige Einsichten für die Bedeutung für die friedenswissenschaftliche Politikberatung hinsichtlich der Chancen und Risiken von Süd-Süd-Kooperationen bei internationalen Friedenseinsätzen gewinnen.

Anknüpfend an postkoloniale Ansätze aus dem Bereich der Internationalen Beziehungen und Security Studies, welche insbesondere die entscheidende Rolle lokaler Normensysteme und sozio-kultureller Faktoren für die Effektivität und Legitimität externer Interventionen betont haben, verfolgt die Pilotstudie einen qualitativen Methodenansatz. Im Zentrum steht eine politisch-ethnographische Vorgehensweise, die insbesondere auf teilnehmenden Beobachtungen aufbaut und die Alltagspraxen und Formen der (Nicht-)Interaktion der für die Pilotstudie relevanten Akteure in den Blick nimmt, wodurch sich Rückschlüsse auf die Effektivität und Legitimität des brasilianischen MINUSTAH Beitrags ziehen lassen.

Die Pilotstudie ist als eine induktiv vorgehende Fallstudie angelegt. Dies ermöglicht uns, generelle Hypothesen für die weitere Forschung und Theoriebildung zur Rolle lateinamerikanischer Staaten in internationalen Friedenseinsätzen in einer sich geopolitisch verändernden und von der zunehmenden Relevanz von Akteuren aus dem „globalen Süden“ geprägten internationalen Sicherheitsarchitektur formulieren zu können.


Abstract

 

Countries from the Global South have become the main troop providers for United Nations (UN) mandated international peacekeeping operations. Amongst the troop sending countries, Latin American states have taken on an increasingly important role. Of the 97.729 UN peacekeepers currently deployed, 6.246 come from Latin American countries. Most of the Latin American peacekeepers are deployed to Haiti (4.322; UNPDO 2014). Even if, in terms of the overall amount of troop-contributions, Latin American countries are still far behind the leading UN troop-sending countries (India, Bangladesh or Pakistan), the growing interest of Latin American states to participate in international peacekeeping operations after the end of the Cold War and of military dictatorships in the region, is more than apparent.

This development, however, has remained of marginal interest to contemporary peace and conflict studies. The research project aims at addressing this gap. It seeks to contribute to a comprehensive understanding of Latin American contributions to UN peacekeeping, in particular with regard to the effectiveness and legitimacy of such missions.

The project analyses the most important UN peacekeeping mission with Latin American participation, the United Nations Stabilization Mission in Haiti (MINUSTAH). It particularly focusses on the role of Brazil. The country not only provides most of the UN-troops. Since 2004, Brazil is also in charge of the military component of MINUSTAH.

The research project asks whether Brazil’s role as a postcolonial “emerging power” enhances the effectiveness and legitimacy of international peacekeeping missions, and if that is the case, how this can be explained? Answering this question offers important academic as well as policy-relevant insights regarding the role of South-South collaboration in international peacekeeping, in particular with regard to the legitimacy and effectiveness of such missions when compared to peacekeeping operations led by countries from the Global North.

The project is designed as an inductive case study, and it pursues a qualitative research approach with the goal of developing a set of hypotheses for future research and theory development regrading the role of Latin American peacekeeping in a global context in which actors from the Global South play a growing role in global security governance.

AUS DEN GREMIEN:

 

Neuberufungen in den Stiftungsrat

 

Neues Führungsteam der DSF

 

Neue Mitglieder im Wissenschaftlichen Beirat

 

schneckener aktuell
Informationen zur Teilnahme des Vorstands-Vorsitzenden an Kick-off conference

 

Veranstaltungen der Stiftung:

 

Transferveranstaltungen im Rahmen des Projektes „Salafismus in Deutschland. Forschungsstand und Wissenstransfer“

 

15 Jahre Deutsche Stiftung Friedensforschung

Veranstaltung aus Anlass des 15jährigen Bestehens der Stiftung
10. März 2016, 18 Uhr, Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück

zum Bericht

 

NEU IN DER PROJEKTFÖRDERUNG

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Foerderkonzept



 

 

NEUE PUBLIKATIONEN

Stiftungseigene Veröffentlichungen

 

Projektpublikationen

 




Handbook on Sustainability Transition and Sustainable Peace
Herausgeber: Brauch, H.G., Oswald Spring, Ú., Grin, J., Scheffran, J. (Eds.) 
Springer 2016

 

dembinski

 

"Auslandseinsätze evaluieren. Wie lässt sich Orientierungswissen zu humanitären Interventionen gewinnen?" von Matthias Dembinski und Thorsten Gromes, HSKF-Report Nr. 8/2016

 

peacebuilding


Peacebuilding in Crisis
Rethinking Paradigms and Practices of Transnational Cooperation
Edited by Tobias Debiel, Thomas Held, Ulrich Schneckener
Routledge 2016

neueste Rezension in: Wissenschaft und Frieden 3/2016, S. 55-56

 

 

 

 

Friedensgutachten 2016 

 

 

 

 

Friedensgutachten 2016

 

 

frieden lernen cover 

Frieden lernen mit Reportagen

 

 

 

 


 

 

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