Neben-Kriegsschauplätze: Der Syrienkrieg in Jordanien

 

Projektleiter: Dr. André Bank, German Institute of Global and Area Studies (GIGA), Hamburg
Projektbearbeiter: Yazan Doughan, M.A.
Förderzeitraum: Januar 2016 bis Dezember 2017
Fördervolumen: 99 Tsd. Euro

 

Zusammenfassung

 

Leitende Forschungsfragen

Der Syrienkrieg hat mit über 250.000 Toten und circa die zwölf Millionen Flüchtlinge und Binnenvertriebenen ein immenses humanitäres Leid im Land selbst mit sich gebracht. Wie andere extrem gewaltsame Bürgerkriege hat der Syrienkrieg aber auch über seine Grenzen hinaus „gewirkt“ und dabei insbesondere die Regionen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft transformiert. Das Forschungsprojekt untersucht – mit einem Fokus auf Jordanien – diese lokalen Transformationen in der Nachbarschaft von Kriegen, die sog. „Neben-Kriegsschauplätze“. Es wird dabei erstens gefragt, welche politischen, sozialen und ökonomischen Dynamiken gegenwärtig die lokalen Ordnungen in der Nachbarschaft des Syrienkriegs beeinflussen. Zweitens wird gefragt, wie zentrale Statusgruppen aus diesen lokalen Ordnungen selbst die Transformationen der entsprechenden lokalen Ordnungen seit Kriegsbeginn 2011 wahrnehmen. Damit setzt sich das Forschungsprojekt das Ziel, sowohl den Status Quo lokaler Ordnungen in Nordjordanien circa fünf Jahre nach Kriegsbeginn in Syrien zu erfassen wie auch die historischen Verlaufsmuster dieser Transformationen.

Beitrag zur internationalen Forschungsagenda

Das Forschungsprojekt ist im Feld der Friedens- und Konfliktforschung angesiedelt. Es verbindet Erkenntnisse aus Studien zur transnationalen Diffusion (Buhaug/Gleditsch 2008; Checkel 2013), zu grenzüberschreitenden Netzwerken in Gewaltkonflikten (Pugh et al. 2004; Leenders 2007) sowie zu lokalen Ordnungen in Kriegen selbst (Arjona 2015; Staniland 2012; Wood 2008) und entwickelt vor diesem Hintergrund einen Analyserahmen zur Untersuchung lokaler Ordnungen in der Nachbarschaft von Kriegen. Die drei Analysedimensionen "Gewaltkontrolle & Regulierung”, "Identifikation & Mobilisierung" und "materielle Reproduktion" sind ausreichend breit, um die zentralen politischen, sozialen und ökonomischen Prozesse in „Neben-Kriegsschauplätzen“ erfassen und die empirische Untersuchung in Nordjordanien vorstrukturieren zu können. Zusammen genommen werden die zentralen Ergebnisse des Projekt hoffentlich nicht nur für Forschungen zum Syrienkrieg und der lokalen Politik im Nahen Osten relevant sein, sondern auch zu allgemeineren, Regionen übergreifenden Debatten in der Friedens- und Konfliktforschung beitragen können.

Forschungsdesign und Methoden

Das Projekt wird substanzielle qualitative Forschung in der nordjordanischen Städten Irbid, Mafraq und Ramtha durchführen, die alle stark vom nahen Syrienkrieg betroffen waren und sind. Das Projekt ist vom jüngeren "local turn" in der Friedens- und Konfliktforschung (MacGinty/Richmond 2013) inspiriert und wird ethnografische Methoden (Schatz 2009; Schlichte 2013) während zweier separater Feldforschungsrunden verwenden. Der erste Feldforschungsaufenthalt soll dem "mapping" der jeweiligen lokalen Ordnungen entlang der drei Analysedimensionen dienen; dies wird über Interviews mit Repräsentant*innen wichtiger lokaler Statusgruppen, wie der Gouvernorats- bzw. Stadtverwaltungen, sozialen Eliten, Händler*innen, Oppositionellen sowie ankommende Syrer*innen erfolgen. Die zweite Feldforschung baut auf diesen Erkenntnissen auf und wird Fokusgruppengespräche mit ausgewählten Mitglieder unterschiedlicher Statusgruppen durchführen, um hierdurch – möglicherweise widerstreitende – Narrative und Sinngebungen der lokalen Transformationen differenzieren zu können. Zusammen genommen sollte dieses dichte qualitative Forschungsdesign es ermöglichen, sowohl übergreifende Muster lokaler Transformationen wie auch die Eigenheiten einzelner Fallstudien herausarbeiten zu können.


Abstract

Guiding Research Questions
The Syrian war has not also brought about massive humanitarian suffering in the country itself, with more than 250,000 deaths and around a dozen million refugees and internally displaced people. Like other mass-scale civil wars, the Syrian war has also diffused beyond its borders, particularly transforming the regions in the immediate neighborhood. Focusing on Jordan, the research project investigates these local transformations in the neighborhood of wars, the so-called "Neben-Kriegsschauplätze" or “secondary theaters of war.” It asks, first, which political, social and economic dynamics do currently affect the local orders in neighborhood of the Syrian war? Second, how do central status groups from within these local orders themselves view the transformation of the respective local order since the beginning of the Syrian war in 2011? The project thus aims at investigating both the status quo of local orders in Northern Jordan circa five years after the beginning of the war as well as the historical trajectory of these transformations.

Contribution to International Research
The research project is located in the field of peace and conflict studies. It combines insights from studies on the transnational diffusion (Buhaug/Gleditsch 2008; Checkel 2013), on cross-border networks of conflicts (Pugh et al. 2004; Leenders 2007) as well as on local orders within wars (Arjona 2015; Staniland 2012; Wood 2008) to develop a conceptual framework for the study of local orders in the neighborhood of wars. The three analytical dimensions "violent control & regulation," "identity & mobilization," and "material reproduction" are broad enough to incorporate the most crucial political, social and economic processes affecting the "Neben-Kriegsschauplätze." This conceptual framework will guide the detailed empirical case studies in Northern Jordanian cities. Against this background, the end results of the project will hopefully not only speak to students of the Syrian war and local politics in the Middle East, but will also be of interest to the wider peace and conflict studies community.

Research Design and Methods
The project will undertake substantial qualitative research in the three Northern Jordanian cities of Irbid, Mafraq and Ramtha which have all been strongly affected by the Syrian war. It is inspired by the recent "local turn" in peace and conflict studies (MacGinty/Richmond 2013) and will employ ethnographic methods in two separate field research stays (Schatz 2009; Schlichte 2013). The first field research aims at "mapping" the respective local orders along the three analytical dimensions; this will be done by interviewing representatives of local status groups, i.e. governorate/city administration, opposition activists, social elites, traders as well as incoming Syrians. The second field research will build on these insights and hold focus group discussions with selected "members" of different status group in order to be able to understand the (potentially competing) narratives and ways of making sense of the local transformations. Together, this thick qualitative research design should allow to both see general, over-arching patterns of local transformation as well as specificities of the individual cases.



AUS DEN GREMIEN:

 

Neuberufungen in den Stiftungsrat

 

Neues Führungsteam der DSF

 

Neue Mitglieder im Wissenschaftlichen Beirat

 

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Informationen zur Teilnahme des Vorstands-Vorsitzenden an Kick-off conference

 

Veranstaltungen der Stiftung:

 

Workshop der Stiftung und Fachsymposion von DSF und FONAS in Berlin

 

Transferveranstaltungen im Rahmen des Projektes „Salafismus in Deutschland. Forschungsstand und Wissenstransfer“

 

15 Jahre Deutsche Stiftung Friedensforschung

Veranstaltung aus Anlass des 15jährigen Bestehens der Stiftung
10. März 2016, 18 Uhr, Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück

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NEU IN DER PROJEKTFÖRDERUNG

FÖRDERKONZEPT DSF

 

Foerderkonzept



 

 

NEUE PUBLIKATIONEN

Stiftungseigene Veröffentlichungen

 

Projektpublikationen

 




Handbook on Sustainability Transition and Sustainable Peace
Herausgeber: Brauch, H.G., Oswald Spring, Ú., Grin, J., Scheffran, J. (Eds.) 
Springer 2016

 

dembinski

 

"Auslandseinsätze evaluieren. Wie lässt sich Orientierungswissen zu humanitären Interventionen gewinnen?" von Matthias Dembinski und Thorsten Gromes, HSKF-Report Nr. 8/2016

 

peacebuilding


Peacebuilding in Crisis
Rethinking Paradigms and Practices of Transnational Cooperation
Edited by Tobias Debiel, Thomas Held, Ulrich Schneckener
Routledge 2016

neueste Rezension in: Wissenschaft und Frieden 3/2016, S. 55-56

 

 

 

 

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Friedensgutachten 2017

 

 

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Frieden lernen mit Reportagen

 

 

 

 


 

 

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