Polizeimissionen der Vereinten Nationen - Völkerrechtliche Grundlagen, Statur und Einsatzregeln
Projektleiter: Prof. Dr. Thilo Marauhn, Professur für Öffentliches Recht und Völkerrecht, Universität Gießen
Projektbearbeiterin: Judith Sina Thorn
Förderzeitraum: 24 Monate (Februar 2016 bis Januar 2018)
Fördersumme: 95 Tsd. Euro

 

Zusammenfassung


Hintergrund
Erstmals in seiner Geschichte befasste sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (VN) am 20. November 2014 in einer Sitzung exklusiv mit Polizeieinsätzen in Friedensmissionen. Im Rahmen dieser auf Initiative Australiens zustande gekommenen Sitzung zum Thema „Peacekeeping operations: the role of policing in peacekeeping and post-conflict peacebuilding“ beriet sich das Gremium mit dem Untergeneralsekretär für Friedensmissionen Hervé Ladsous sowie mit Leitern von Polizeikomponenten der VN. Am Ende der Sitzung beschloss der Sicherheitsrat Resolution 2185 (2014).
Dabei handelt es sich um die erste und bisher einzige Resolution, die sich ausschließlich mit Polizeieinsätzen („policing“) in Friedensoperationen und politischen Missionen befasst. Dies mag auf den ersten Blick erstaunen, werden Polizeikomponenten doch schon seit den 1960er Jahren in Friedensmissionen eingesetzt. Auch ist die Bedeutung von Polizeikomponenten im Laufe der letzten Jahre stetig gewachsen – sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht: Waren 1990 lediglich 44 zivile Polizisten im Einsatz, stieg die Zahl der eingesetzten Polizisten 2015 insgesamt auf 13122. Diese verteilten sich auf zwölf Missionen, wobei die Größe der Polizeikomponente je nach Mission zwischen 6 und 3165 Personen schwankte. Insgesamt hat die Polizei in Friedensmissionen in den letzten Jahren erhöhte Aufmerksamkeit erlangt.
Die VN bemühen sich gegenwärtig mit Hilfe unterschiedlicher Instrumente um eine Optimierung von Polizeieinsätzen. Im Fokus steht die Entwicklung von strategischen Leitlinien („Strategic Guidance Framework for International Police Peacekeeping [SGF]“), mit deren Ausarbeitung bereits im Jahre 2010 begonnen wurde. Mit diesem Dokument reagieren die VN auf die zunehmende Komplexität von Polizeieinsätzen. Die gesamte Entwicklung bedarf sowohl der wissenschaftlichen Begleitung als auch einer wohlwollend-kritischen Reflexion.

Forschungsvorhaben
Das von der DSF geförderte Forschungsvorhaben „Polizeimissionen der Vereinten Nationen. Völkerrechtliche Grundlagen, Status und Einsatzregeln.“ wird an der Justus-Liebig-Universität Gießen in Kooperation mit dem Leibniz Institut Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) durchgeführt. Auf einen dreifachen Erkenntnisgewinn ausgerichtet sollen (1) die gegenwärtig in Anspruch genommenen völkerrechtlichen Grundlagen des Einsatzes von Polizeikräften im Rahmen von VN-Friedensoperationen identifiziert und bewertet, (2) der Status von Polizeikräften im Rahmen von VN-Friedensoperationen herausgearbeitet sowie (3) die vorhandenen Einsatzregeln bewertet, präzisiert und gegebenenfalls weiterentwickelt werden.
Das Forschungsvorhaben zielt folglich darauf ab, einen systematischen Überblick über die für Polizeieinsätze der VN geltenden völkerrechtlichen Rahmenbedingungen herzustellen. Darauf aufbauend stellen sich zahlreiche Fragen im Hinblick auf die bisherigen, aber auch die zukünftigen Polizeieinsätze im Rahmen der Vereinten Nationen:


•    Auf welchen Entwicklungen beruhen Resolution 2185 (2014) und die einschlägigen VN-Politiken?
•    Welche Besonderheiten zeichnen die Polizeikomponente in Friedensmissionen der Vereinten Nationen aus?
•    Wie unterscheidet sich die „Polizei“ faktisch und rechtlich von dem Militär einerseits und dem zivilen Personal andererseits?
•    Hat sich die operative Polizeikomponente als eigenständiger Faktor in Friedensmissionen etabliert?
•    Wie wirkt sich dies auf die rechtlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen der Polizeikomponente aus?
•    Wie unterscheiden sich die Einsatzregeln der Polizeikomponenten von denen für das Militär einerseits und für die zivilen Komponenten andererseits?

 


Abstract

 

Background

On 20 November 2014 the United Nations (UN) Security Council (SC) held its first-ever Council meeting dedicated to policing issues. The meeting, convened upon Australian initiative, discussed „Peacekeeping operations: the role of policing in peacekeeping and post-conflict peacebuilding”. The meeting included a briefing of the Council by Hervé Ladsous, Under-Secretary-General for Peacekeeping Operations, and three United Nations Police Commissioners. In conclusion, the Council adopted Resolution 2185 (2014).
This resolution is the first and still only resolution exclusively addressing policing in UN peacekeeping operations and UN special political missions. Given that the UN has deployed police in peacekeeping operations since the 1960s, this may be surprising; however, since then the significance of UN policing has changed considerably, both in quantitative as well as qualitative terms. Whereas there were only 44 civilian police officers serving in pertinent UN missions in 1990, the UN counted 13,122 individuals in twelve missions in 2015. The number of police officers involved extended from 6 to 3,165. All this has stimulated growing interest in and awareness of UN policing by the international community.
Currently the UN endeavours to improve UN policing through a variety of strategies and instruments. Crucial is the evolution of a “Strategic Guidance Framework for International Police Peacekeeping (SGF)”. Work on the SGF began in 2010, the UN thereby responding to the growing complexity of policing as part of peace operations and special political missions. Such developments call for a parallel academic debate.

Research Project

The research project “UN Policing. Legal Basis, Status and Directives on the Use of Force” is funded by the German Foundation for Peace Research and is implemented by the Justus Liebig University Giessen in cooperation with the Peace Research Institute Frankfurt (PRIF). Its threefold objectives are (1) to identify and critically review the current legal basis of UN policing under public international law, (2) to clarify the status of police officers in pertinent missions, and (3) to critically review rules of engagement/directives on the use of force, in particular in respect of the power to detain and to use force.
The research project aims at enhancing clarity by providing a systematic overview of the legal framework applicable to UN policing, critically reflecting about the adequacy of applicable legal rules, and developing perspectives for future policing. Among others, the following questions will be addressed:
•    What is the background of UN SC Resolution 2185 (2014) and pertinent UN policies?
•    What are the specific features of police components in UN peacekeeping operations and special political missions?
•    What are the factual and legal differences between police, the military and the civilian component?
•    Has policing become an autonomous part of peacekeeping?
•    If so, how does this affect the legal framework of UN policing?
•    What are the differences in rules of engagement respectively directives on the use of force applicable to police, the military and the civilian component?

AUS DEN GREMIEN:

 

Neuberufungen in den Stiftungsrat

 

Neues Führungsteam der DSF

 

Neue Mitglieder im Wissenschaftlichen Beirat

 

schneckener aktuell
Informationen zur Teilnahme des Vorstands-Vorsitzenden an Kick-off conference

 

Veranstaltungen der Stiftung:

 

Transferveranstaltungen im Rahmen des Projektes „Salafismus in Deutschland. Forschungsstand und Wissenstransfer“

 

15 Jahre Deutsche Stiftung Friedensforschung

Veranstaltung aus Anlass des 15jährigen Bestehens der Stiftung
10. März 2016, 18 Uhr, Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück

zum Bericht

 

NEU IN DER PROJEKTFÖRDERUNG

FÖRDERKONZEPT DSF

 

Foerderkonzept



 

 

NEUE PUBLIKATIONEN

Stiftungseigene Veröffentlichungen

 

Projektpublikationen

 




Handbook on Sustainability Transition and Sustainable Peace
Herausgeber: Brauch, H.G., Oswald Spring, Ú., Grin, J., Scheffran, J. (Eds.) 
Springer 2016

 

dembinski

 

"Auslandseinsätze evaluieren. Wie lässt sich Orientierungswissen zu humanitären Interventionen gewinnen?" von Matthias Dembinski und Thorsten Gromes, HSKF-Report Nr. 8/2016

 

peacebuilding


Peacebuilding in Crisis
Rethinking Paradigms and Practices of Transnational Cooperation
Edited by Tobias Debiel, Thomas Held, Ulrich Schneckener
Routledge 2016

neueste Rezension in: Wissenschaft und Frieden 3/2016, S. 55-56

 

 

 

 

friedensgutachten 2017 

 

 

 

 

Friedensgutachten 2017

 

 

frieden lernen cover 

Frieden lernen mit Reportagen

 

 

 

 


 

 

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