Verifikation nuklearer Abrüstung: Sachstand und Handlungsoptionen für Deutschland und die EU
Projektleiter: Prof. Dr. Harald Müller, HSFK
Projektbearbeiterin: Dr. Annette Schaper
Förderzeitraum: 4 Monate (August 2016 bis November 2016)
Fördersumme: 19 Tsd. Eur

 

Zusammenfassung


Das Projekt untersucht die Möglichkeiten für Nichtregierungsexperten im deutschen und europäischen Raum, für die Bundesregierung und die EU, zur Forschung über die Verifikation in der nuklearen Abrüstung auf dem Weg zu einer kernwaffenfreien Welt, insbesondere zur Verifikation der Verschrottung von Kernsprengköpfen beizutragen.
Es bedient sich der idealtypischen Methode: Die Anforderungen an ein funktionstüchtiges „Abrüstungs-Verifikationssystem“ werden aus der Literatur rekonstruiert. Die so ermittelten Verifikationsfunktionen werden mit den Leistungen bestehender Verifikation  und den Erfahrungen aus der entsprechenden Verifikationspraxis verglichen, um – unter Berücksichtigung der wahrscheinlichsten und virulentesten Umgehungsszenarien – diejenigen zusätzlichen Maßnahmenbündel zu identifizieren, die für eine verlässliche Verifikation des nuklearen Abrüstungsprozesses nötig sein werden. Im nächsten Schritt werden laufende Forschungsprojekte und ihre (Zwischen-)Ergebnisse daraufhin analysiert, wieweit sie die identifizierten Lücken füllen können und welche Forschungs- und Entwicklungsdesiderate offen bleiben. Es folgt eine Bestandsaufnahme der Forschungskapazitäten in Deutschland und der EU, um die Möglichkeiten für einen substantiellen Beitrag europäischer Forschung zur weltweiten Arbeit an der Verifikationsfrage sowie die deutsche Positionierung in diesem Rahmen zu bestimmen.
Das Projekt dient als Pilotprojekt der Entwicklung eines Netzwerkprojekts, das die deutschen und europäischen Forschungskapazitäten zu einer systematischen, arbeitsteiligen und Synergien produzierenden Arbeitsprogramm zusammenführen soll. In diesem Netz würden Wissenschaftler/innen aus Kernwaffenstaaten und Nichtkernwaffenstaaten zusammenarbeiten. Es handelt sich um ein Vorhaben naturwissenschaftlicher Friedens- und Abrüstungsforschung.
Schon früh nach dem Ende des Kalten Krieges gab es bilaterale Projekte von amerikanischen und russischen Wissenschaftlern zur Verifikation der Demontage von Sprengköpfen. Sie haben wichtige Vorarbeiten geleistet und besonders schwierige und bisher ungelöste Probleme identifiziert. Das erste bilaterale Projekt zwischen Kernwaffenstaaten und Nichtkernwaffenstaaten wurde von Großbritannien und Norwegen durchgeführt und untersuchte experimentell die Verifikation der Abrüstung eines Kernwaffenstaates durch einen Nichtkernwaffenstaat. Weitere Projekte existieren vor allem in den USA, aber auch in Deutschland. Die USA haben auf diplomatischer Ebene ein großes multinationales Vorhaben gestartet, in dem die amerikanische Regierung versucht, die Hegemonie in dem Feld zu behaupten.
Verifikation muss Vertrauen schaffen, dass eine deklarierte Menge von Sprengköpfen zerstört wurde und keine Attrappen untergeschoben wurden. Aber die technischen Eigenschaften eines Sprengkopfes dürfen nicht bekannt werden. Die Forderungen nach Geheimhaltung einerseits und Vertrauen andererseits stehen sich diametral gegenüber, alle Forschungsprojekte sind dadurch bisher an Grenzen gestoßen. Es gibt verschiedene Lösungsansätze, die aber noch auf das Problem stoßen, dass das Vertrauen der einen Seite, dass keiner betrügt, und das Vertrauen der anderen Seite, dass sie nicht ausspioniert wird, noch nicht gleichzeitig geschaffen werden können.
Mit der Erstellung des Sachstandes zielt das Projekt auf die Identifizierung von Handlungsoptionen für Deutschland und die EU. Es füllt damit in wissenschaftlicher und in abrüstungspolitischer Perspektive eine Lücke.
Sowohl die Bundesregierung als auch die EU suchen nach Aktionsfeldern in der nukleare Abrüstung, wo sie Aktivitäten entfalten können, ohne in Konfrontation mit Alliierten (Bundesregierung) oder in eine Blockade durch Gegensätze der Mitgliedsstaaten (EU) zu geraten. Nukleare Abrüstungsverifikation könnte ein solches Feld darstellen. In ihm sind bereits mehrere naturwissenschaftliche Forschungsgruppen tätig, ohne indes ihre Aktivitäten hinreichend zu koordinieren.
Das Projekt exploriert die Möglichkeiten, dieses Grundinteresse politischer Akteure und die laufenden Aktivitäten nichtgouvernmentaler Verifikationsforschung zusammenzuführen. Es untersucht auch die Möglichkeit, das laufende britisch-norwegische Projekt und weitere europäische Nicht-EU-Länder, die über qualifizierte Einrichtungen verfügen, z.B. die Schweiz, in ein EU-geführtes Kooperationsprojekt einzubeziehen. Es zielt damit auf einen relevanten Bereich friedenswissenschaftlicher Politikberatung.


Die folgenden Projektergebnisse werden angesteuert:

1.    Eine Übersicht über die notwendigen Anforderungen an ein umfassendes Verifkationssystem für die Abrüstung mit dem Ziel einer kernwaffenfreien Welt.  
2.    Eine umfassenden Übersicht über den Forschungstand.
3.    Identifizierung von Lücken, Problemen, Nischen und Synergien in den entsprechenden Forschungsfeldern.
4.    Ableitung von Forschungsaufgaben für die Wissenschaftler und Handlungsoptionen für die oben genannten politischen Akteure..
5.    Entwicklung eines Netzwerkprojekts für nukleare Abrüstungsforschung in der EU und Europa mit deutscher Beteiligung.
6.    Operationalisierung der Handlungsoptionen in auf den jeweilig adressierten Akteur zugeschnittenen Beratungspapier.

Das Projekt soll innerhalb von vier Monaten abgeschlossen sein.

 

Abstract

 

The project investigates ways for non-governmental experts in Germany and Europe as well as for the Federal Government and the EU to contribute to the research on the verification of the dismantlement of nuclear warheads on the road to a nuclear weapon free world.
It uses an ideal-typical method: The requirements for a functional system of disarmament verification will be identified from literature. The results will be compared to the performance of existing verification and to practical verification experiences. The aim is the identification of additional measures that are necessary for a reliable verification of nuclear disarmament and that take into account the most probable and virulent evasion scenarios. In the next step, current research projects and their (intermediate) results will be analysed with the questions to which extent they can fill in the identified gaps and which desiderates for further research and development remain open. This is followed by a survey of the research capacities in Germany and the EU, in order to determine the possibilities for a substantial contribution of European research to the world wide work on verification and a German positioning in this context.
The undertaking is a pilot project for a network project that shall bring together German and European research capacities in order to form a systematic, collaborative, and synergetic work program. In this network, scientists from nuclear weapon states and non-nuclear weapon states would collaborate. The endeavour can be classified as interdisciplinary peace and disarmament research with participants from science and social sciences.
Soon after the end of the Cold War, U.S. and Russian scientists engaged bilateral projects on verification of dismantlement of warheads. They have prepared the ground and have identified difficult problems that so far are not solved. The first bilateral project between a nuclear weapon state and a non-nuclear weapon stated was undertaken by the United Kingdom and Norway. It investigated experimentally how a nuclear weapon state's disarmament can be verified by a non-nuclear weapon state. There are more projects, mainly in the U.S., but also in Germany. On the diplomatic level, the U.S. has started a large multi-national project, which is dominated by the U.S.
Verification must create confidence that a declared number of warheads has been destroyed and that no mock-ups had been foisted. But the technical details of a warhead must not be revealed. The requirements of secrecy on the one hand and of confidence on the other are diametrically opposed. This is the reason why all research projects have reached their limits up to today. There are several approaches to solutions, but so far, they face the problem that confidence of the one side that the other side is not cheating and confidence of the other, that it is not being spied on, cannot be created at the same time.
The project aims at identifying policy options for Germany and the EU by giving an overview on the research. It thus fills a gap in both an academic and a policy oriented perspective.
Both the Federal Republic as the the EU are looking for fields of action in nuclear disarmament, in which their policy would not be in confrontation with allies or would cause a blockade because of different interests of the EU members. Verification of nuclear disarmament could constitute such a field. Several groups of scientists are already active, and it is advisable that they further coordinate their activities.
The project explores how this fundamental interests of the actors and the running activities in non-governmental verification research could be consolidated. It also explores how the British-Norwegian project and further non-EU-countries that possess qualified research capacities, e.g. Switzerland, could be involved. Thus, the project aims at a relevant aspect of peace related policy consulting.


The goal are the following results:


1 - An overview of the necessary requirements for a comprehensive nuclear disarmament verification with the goal of a nuclear weapon free world.
2 - A comprehensive overview on the current status of research
3 - Identification of gaps, problems, niches, and synergies in the respected fields of research.
4 - Deduction of research tasks for scientist, and of policy options for political actors.
5 - Development of a networking project for nuclear disarmament research in the EU and Europe with German participation
6 - Operationalization of the options in policy papers tailored for the respective actors


The project shall be finished within four months.

AUS DEN GREMIEN:

 

Neuberufungen in den Stiftungsrat

 

Neues Führungsteam der DSF

 

Neue Mitglieder im Wissenschaftlichen Beirat

 

schneckener aktuell
Informationen zur Teilnahme des Vorstands-Vorsitzenden an Kick-off conference

 

Veranstaltungen der Stiftung:

 

Transferveranstaltungen im Rahmen des Projektes „Salafismus in Deutschland. Forschungsstand und Wissenstransfer“

 

15 Jahre Deutsche Stiftung Friedensforschung

Veranstaltung aus Anlass des 15jährigen Bestehens der Stiftung
10. März 2016, 18 Uhr, Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück

zum Bericht

 

NEU IN DER PROJEKTFÖRDERUNG

FÖRDERKONZEPT DSF

 

Foerderkonzept



 

 

NEUE PUBLIKATIONEN

Stiftungseigene Veröffentlichungen

 

Projektpublikationen

 




Handbook on Sustainability Transition and Sustainable Peace
Herausgeber: Brauch, H.G., Oswald Spring, Ú., Grin, J., Scheffran, J. (Eds.) 
Springer 2016

 

dembinski

 

"Auslandseinsätze evaluieren. Wie lässt sich Orientierungswissen zu humanitären Interventionen gewinnen?" von Matthias Dembinski und Thorsten Gromes, HSKF-Report Nr. 8/2016

 

peacebuilding


Peacebuilding in Crisis
Rethinking Paradigms and Practices of Transnational Cooperation
Edited by Tobias Debiel, Thomas Held, Ulrich Schneckener
Routledge 2016

neueste Rezension in: Wissenschaft und Frieden 3/2016, S. 55-56

 

 

 

 

Friedensgutachten 2016 

 

 

 

 

Friedensgutachten 2016

 

 

frieden lernen cover 

Frieden lernen mit Reportagen

 

 

 

 


 

 

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