"Screening" Transitional Justice in Serbia. ICTY Representations and the Memory of War Crimes in Serb Television“

Projektleiterin: Prof. Dr. Anna Geis, Institut für Politikwissenschaft der Universität Magdeburg
Projektbearbeiterin: Dr. Katarina Ristić, in Kooperation mit Dr. Vladmir Petrović (Institute for Contemporary History in Belgrade)
Förderzeitraum: 13 Monate (Februar 2015 bis März 2016)
Fördersumme: 93 Tsd. Euro

 

Zusammenfassung


Problemstellung und forschungsleitende Fragen

Der 1993 eingerichtete Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia; ICTY) ist ein ebenso zentrales wie umstrittenes Element in den Transitional-Justice-Prozessen der betroffenen Staaten. Insbesondere in Serbien wird die Legitimität des Strafgerichtshofs erheblich in Frage gestellt.  Das Projekt untersucht die öffentliche Darstellung des ICTY in serbischen TV-Nachrichten und -Berichterstattung. Anhand von viel diskutierten Strafprozessen werden u.a. folgende Aspekte beleuchtet: Wie werden die unterschiedlichen, im Strafgerichtshof agierenden Personen in der Berichterstattung dargestellt? Werden Angeklagte als Akteure beschrieben, die im Namen ihrer Nation gehandelt haben oder als individuelle Täter, die außerhalb der jeweiligen Gemeinschaft stehen? Inwiefern stellen die Medienformate den ICTY als eine illegitime Institution dar oder als verlässliche, glaubwürdige Quelle juristischer Beweisführung und historischer „Wahrheiten“?

Relevanz für die Friedens- und Konfliktforschung sowie Originalität des Vorhabens

Es ist eine wichtige Aufgabe von Friedens- und Konfliktforschung, die Auswirkungen und die in den „Zielgesellschaften“ wahrgenommene Legitimität von Transitional-Justice-Mechanismen zu untersuchen. Medieninhalte, die den ICTY als eine illegitime oder anti-serbische Institution darstellen, unterminieren die Autorität und die Fähigkeit des Tribunals, die Aufarbeitung der Vergangenheit voranzutreiben und historische „Wahrheiten” über die Kriege der 1990er Jahre zu etablieren. Bislang liegt keine systematische Forschung über die Rezeption des Tribunals in audio-visuellen Medienformaten in Ex-Jugoslawien vor. Generell wird visuelles Material in der Friedens- und Konfliktforschung sehr selten analysiert. Dies ist schwer nachzuvollziehen angesichts der prominenten Debatte über die „Macht der Bilder” in einem digitalen Zeitalter.

Theoretisch-methodische Grundlegung des Projekts

Das Projekt verortet sich in der Transitional Justice-Forschung. Die akademischen Debatten über den ICTY beziehen sich häufig auf die Wirkungen des Tribunals und wie man diese konzeptualisieren kann. Für das vorliegende Projekt ist vor allem die öffentliche ‘aufklärende’ Rolle des Tribunals von Interesse, da der Gerichtshof die betroffenen Gesellschaften zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit anregen soll. Die theoretische Rahmung knüpft daher auch an Studien an, die sich mit der diskursiven Konstruktion kollektiver Erinnerung an Gewaltereignisse befassen.

Das Forschungsteam wendet Ansätze der multimodalen Diskursanalyse an, um das textbasierte und audio-visuelle Material zu untersuchen. Da solche Ansätze in der Friedens- und Konfliktforschung wenig etabliert sind, ist eine angemessene Methodik für den Fall des Tribunals und der diskursiven Konstruktion seiner (Il-)Legitimität im Laufe des Projekts weiter zu entwickeln. Analysiert werden Nachrichten und weitere Berichterstattung über Strafprozesse des ICTY in den drei meist gesehenen serbischen TV-Stationen Radio-Televizija Serbia (RTS), RTV Pink und B92.

Geplante Umsetzungsschritte

Das Datenmaterial ist sehr umfangreich, sodass der erste Schritt der Untersuchung in der Sammlung, Auswahl und Reduzierung des Materials liegt. Die Daten werden erfasst und transkribiert, um schließlich eine computergestützte Diskursanalyse durchzuführen. Eine detailliertere qualitative Analyse ausgewählter audio-visueller Materialien und ein Vergleich von Daten folgt diesen Schritten. Zur Ergänzung und Validierung der Ergebnisse der Diskursanalyse werden semi-strukturierte Experteninterviews mit Vertretern des ICTY, der serbischen Medien und zivilgesellschaftlicher Organisationen durchgeführt. Fokusgruppeninterviews mit Studierenden in Serbien sollen schließlich probeweise Aufschluss geben über die subjektiven Wahrnehmungen von Medienkonsumenten.

Erwartete Ergebnisse und Praxisrelevanz

Das Projekt soll insgesamt

die wahrgenommene Legitimität des ICTY in ausgewählten serbischen Massenmedien beurteilen;
diskursive (fortbestehende oder sich wandelnde) Muster der Repräsentation der Vergangenheit in serbischen Medien untersuchen;
die Analyse visueller Medien in der Friedens- und Konfliktforschung befördern;
Kooperationsbeziehungen mit Menschenrechtsaktivisten und Journalisten in Serbien etablieren und durch die Forschungsergebnisse zur Unterstützung der Aktivisten im Feld beitragen.

**

Abstract



Topic and research questions

The International Tribunal for the former Yugoslavia (ICTY), established in 1993, has been a central but very controversial element in the transitional justice processes in former Yugoslavia. In particular in Serbia the legitimacy of the ICTY is highly disputed.  The project focuses on the public representation of the Tribunal in Serb television media. The investigation of the ICTY’s media representation will cover a number of much debated trials and probe the following questions: How are different persons acting in the court represented in footage? Are defendants described as actors representing the nation or as individual culprits standing outside of the respective community? To what extent do media sources represent the ICTY as an illegitimate institution or as a reliable source of judicial and historical “evidence”?

Relevance for peace and conflict research and originality of project

Analyzing the impact and perceived legitimacy of transitional justice mechanisms is an important part of peace and conflict research. Media representations that frame the ICTY as an illegitimate or an anti-Serb institution undermine the authority and the ability of the ICTY to promote the societal engagement with the past and to establish the historical “truth” about the wars of the 1990s. There is no systematic research on the reception of ICTY trials by audio-visual media outlets. In general, there is a striking lack of research on visual material in Peace and Conflict Studies that is not warranted given the prominent debate about the “power of images” in a digital age.

Theoretical and methodological approach

The project is located within transitional justice approaches. Scholarly debates on the ICTY revolve around the notion of impact and the conceptualization of impact. Of primary interest for this project is the public ‘educational’ role that the international institution may fulfill. The theoretical framework will thus also draw on studies that analyze the dynamic discursive processes of constructing collective memory in a society.

The research team will employ multimodal discourse analytical approaches in order to examine textual and audio-visual material. Since such approaches are scarce in Peace and Conflict Studies, the research team will further explore such an encompassing analysis of the discursive construction of the ICTY’s (il)legitimacy. It investigates news coverage and additional footage on ICTY trials of three Serb TV channels that attract the highest share of spectators: Radio-Televizija Serbia (RTS), RTV Pink and B92.

Research process

The data corpus for the project is very extensive so that the collection, selection and further reduction of data will be the first step of the empirical research. The data will be processed and transcribed so that a software based discourse analysis can be conducted. A detailed qualitative analysis of selected audio-visual elements and a comparison of data will follow these steps. In order to complement and validate the results of the discourse analysis, the researchers will conduct semi-structured expert interviews with representatives of the ICTY, of the Serb media and civil society organizations. In addition, focus group interviews with students in Serbia are expected to provide tentative insights into the perceptions of the media consumers.

Expected results and practical relevance
The goals of the project are:
to assess the perceived legitimacy of the ICTY in selected mass media of the Serb public;
to analyze discursive (persistent or changing) patterns of representations of the past;
to advance the analysis of visual media in Peace and Conflict Studies;
to establish cooperative relations with human rights activists and journalists in Serbia and to disseminate the research results to activists in the field.

AUS DEN GREMIEN:

 

Neuberufungen in den Stiftungsrat

 

Neues Führungsteam der DSF

 

Neue Mitglieder im Wissenschaftlichen Beirat

 

schneckener aktuell
Informationen zur Teilnahme des Vorstands-Vorsitzenden an Kick-off conference

 

Veranstaltungen der Stiftung:

 

Transferveranstaltungen im Rahmen des Projektes „Salafismus in Deutschland. Forschungsstand und Wissenstransfer“

 

15 Jahre Deutsche Stiftung Friedensforschung

Veranstaltung aus Anlass des 15jährigen Bestehens der Stiftung
10. März 2016, 18 Uhr, Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück

zum Bericht

 

NEU IN DER PROJEKTFÖRDERUNG

FÖRDERKONZEPT DSF

 

Foerderkonzept



 

 

NEUE PUBLIKATIONEN

Stiftungseigene Veröffentlichungen

 

Projektpublikationen

 




Handbook on Sustainability Transition and Sustainable Peace
Herausgeber: Brauch, H.G., Oswald Spring, Ú., Grin, J., Scheffran, J. (Eds.) 
Springer 2016

 

dembinski

 

"Auslandseinsätze evaluieren. Wie lässt sich Orientierungswissen zu humanitären Interventionen gewinnen?" von Matthias Dembinski und Thorsten Gromes, HSKF-Report Nr. 8/2016

 

peacebuilding


Peacebuilding in Crisis
Rethinking Paradigms and Practices of Transnational Cooperation
Edited by Tobias Debiel, Thomas Held, Ulrich Schneckener
Routledge 2016

neueste Rezension in: Wissenschaft und Frieden 3/2016, S. 55-56

 

 

 

 

Friedensgutachten 2016 

 

 

 

 

Friedensgutachten 2016

 

 

frieden lernen cover 

Frieden lernen mit Reportagen

 

 

 

 


 

 

: