25 Jahre DSF: Friedensforschung in Zeiten globaler Krisen
Unter dem Titel „FriedensStiftung in Zeiten globaler Krisen“ hat die Deutsche Stiftung Friedensforschung (DSF) am 5. Mai 2026 in Berlin ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert. Im Mittelpunkt des Abends standen sowohl der Rückblick auf ein Vierteljahrhundert Forschungsförderung als auch die Frage, welchen Herausforderungen sich die Friedens- und Konfliktforschung angesichts multipler globaler Krisen künftig stellen muss. In seiner fulminanten Keynote warf Prof. Dr. Robin Geiß, Direktor des United Nations Institute for Disarmament Research (UNIDIR), einen Blick auf die Ausgangslage in der internationalen Politik im Umfeld der Stiftungsgründung und kontrastierte sie mit der heutigen Situation. Den widrigen Umständen zum Trotz gebe es noch immer politische Handlungsmöglichkeiten, die für die Wiederbelebung und Stärkung internationaler Zusammenarbeit, Rüstungskontrolle und die Stärkung des Völkerrechts genutzt werden könnten. Darüber hinaus waren an diesem Abend die personellen Veränderungen im Stiftungsvorstand ein wichtiger Programmpunkt: Prof. Dr. Ulrich Schneckener wurde nach zehn Jahren als Vorstandsvorsitzender verabschiedet und der neue Vorstand unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Malte Göttsche offiziell vorgestellt.
Rückblick auf 25 Jahre Friedensforschung
Mit einer Veranstaltung in Berlin feierte die DSF ihr 25-jähriges Jubiläum. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung mit über 25 Millionen Euro mehr als 500 Projekte gefördert und damit wichtige Impulse für die Friedens- und Konfliktforschung gesetzt.

Stiftungsratsvorsitzende Dr. Silke Launert | ©RonkaOberhammer
In ihrer Eröffnung betonte die neue Vorsitzende des Stiftungsrats der DSF, Dr. Silke Launert, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die Bedeutung der DSF für Wissenschaft und Politik. Sie hob insbesondere die kontinuierliche Unterstützung des Forschungsfeldes durch das BMFTR hervor und stellte „Zuversicht“ als Leitmotiv der Stiftung heraus – von ihrer Gründung bis in die Gegenwart. Gerade angesichts der angespannten weltpolitischen Lage brauche es Institutionen, die langfristig auf wissenschaftliche Zusammenarbeit und friedenspolitische Perspektiven setzen.
Anschließend blickte der langjährige Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Ulrich Schneckener auf die Entwicklung der Stiftung zurück. Er würdigte insbesondere die Leistungen ehemaliger Mitglieder von Vorstand und Stiftungsrat und betonte die Rolle der DSF als Impulsgeberin für die Friedens- und Konfliktforschung. Die Stiftung habe sich in den vergangenen 25 Jahren durch ihre innovative und explorative Förderpraxis fest etabliert und mit ihrer interdisziplinären Ausrichtung wichtige Brücken zwischen unterschiedlichen Forschungsfeldern geschlagen.
Internationale Ordnung im Wandel

UNIDIR-Direktor Prof. Dr. Robin Geiß | ©RonkaOberhammer
Der zweite Teil des Abends widmete sich den aktuellen globalen Herausforderungen für Frieden und Sicherheit sowie für die Friedens- und Konfliktforschung.
In seiner Keynote machte UNIDIR-Direktor Prof. Dr. Robin Geiß, deutlich, wie grundlegend sich die internationale Lage seit der Gründung der DSF verändert hat. Zwischenstaatliche Großkonflikte, Aufrüstung, hybride Bedrohungen und die Risiken von KI sowie autonomer Waffensysteme stellten Politik, Völkerrecht und internationale Institutionen vor neue Herausforderungen.
Geiß warnte davor, Machtpolitik über das Völkerrecht zu stellen, und plädierte für einen realistischen, aber entschlossenen Umgang mit internationalen Institutionen. Verteidigungsfähigkeit und Rüstungskontrolle seien keine Gegensätze. Gerade die Geschichte der Rüstungskontrolle zeige, dass internationale Kooperation häufig wirksamer und kosteneffizienter sei als die Eskalation mittels militärischer Hochrüstung.
Zugleich betonte er, die Vereinten Nationen seien gegenwärtig trotz politischer und finanzieller Schwächung unverzichtbar. „Das Völkerrecht ist nur so stark wie die Idee des Völkerrechts“, so Geiß.
Friedens- und Konfliktforschung in polarisierten Zeiten
Im Anschluss diskutierten Prof. Dr. Christopher Daase (PRIF), Prof. Dr. Gwendolyn Sasse (ZOiS), Staatssekretär Dr. Nils Schmid (BMVg) und Prof. Dr. Robin Geiß unter der Moderation von Prof. Dr. Cilja Harders (FU Berlin) über Europas Handlungsmöglichkeiten in einer zunehmend polarisierten Welt.
Christopher Daase betonte die wachsende Bedeutung der Friedens- und Konfliktforschung in einer Zeit globaler Unsicherheiten. Gleichzeitig zeigte er sich besorgt über politische Invektiven gegen das Feld und warnte vor einer zunehmenden „Reideologisierung“ der internationalen Beziehungen. Die öffentliche Debatte konzentriere sich derzeit stark auf Abschreckung und militärische Sicherheit, während Fragen der Rüstungskontrolle, die in diesem Kontext hohe Relevanz hätten, zu wenig Aufmerksamkeit erhielten.
Gwendolyn Sasse sprach über die Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und hob die Notwendigkeit hervor, schon jetzt die psychischen und strukturellen Probleme nach einem möglichen Kriegsende in den Blick zu nehmen. Wissenschaftlicher Austausch zu diesen Themen werde in Krisenzeiten oft skeptisch betrachtet, bleibe aber essenziell, um langfristige Perspektiven für Frieden und gesellschaftliche Neuordnung zu entwickeln.
Dr. Nils Schmid verwies auf die innen- und außenpolitischen Herausforderungen Europas und forderte gestärkte europäische Handlungsfähigkeiten. Sicherheitspolitik umfasse nicht nur militärische, sondern auch gesellschaftliche Fragen, die Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung sein müssten. Dies gelte insbesondere auch für unterschiedliche Formen der hybriden Kriegführung und deren Auswirkungen. Verteidigungsfähigkeit bedeute nicht, Kriege wieder als führbar zu betrachten, sondern diese zu verhindern.
Robin Geiß betonte abschließend, dass es nicht an Ideen oder wissenschaftlicher Expertise, sondern häufig an der fehlenden Rezeption und einer politisch informierten Umsetzung mangele. Fortschritt könne oftmals nur schrittweise erreicht werden – gerade deshalb seien impulsgebende Institutionen wie die DSF unverzichtbar.
Veränderungen in den Gremien der DSF
Das 25-jährige Bestehen der Stiftung ging zudem mit einschneidenden personellen Veränderungen im Stiftungsvorstand einher.
Die Stiftungsratsvorsitzende Dr. Silke Launert verabschiedete den Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Ulrich Schneckener, der dieses Amt mehr als zehn Jahre ausgeübt und die Stiftung nachhaltig geprägt hat. Zugleich endete auch die zehnjährige Mitgliedschaft im Vorstand von Prof. Dr. Andreas von Arnauld, der zuletzt als stellvertretender Vorsitzender amtierte. Prof. Dr. Birgit Bräuchler schied nach drei Jahren ebenfalls aus dem Vorstand aus. Dr. Launert würdigte das große ehrenamtliche Engagement im Vorstand, mit dem ein großartiger Beitrag zur Weiterentwicklung der DSF geleistet worden sei.
Die Stiftungsratsvorsitzende stellte zudem die neuen Vorstandsmitglieder Prof. Dr. Jana Hönke (Universität Bayreuth), Prof. Dr. Sandra Destradi und Prof. Dr. Paulina Starski (beide Universität Freiburg) vor und wünschte dem neuen Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Malte Göttsche (TU Darmstadt/PRIF) und seinem Stellvertreter Tobias Pietz (ZIF) eine glückliche Hand für ihre Arbeit.
Dank an alle Mitwirkenden
Die Deutsche Stiftung Friedensforschung bedankt sich bei allen Gästen, Mitwirkenden und Unterstützerinnen und Unterstützern für diesen besonderen Abend. Das Programm finden Sie hier online.

Die Podiumsgäste sowie einige Stiftungsrats- und (ehemalige) Vorstandsmitglieder | ©RonkaOberhammer
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