Auf dem Bild ist das Logo der Stiftung in klein abgebildet.Gender, Climate Change Vulnerability, and Psychosocial Health and Wellbeing: The Co-production of Resilience

Projektleitung: Prof. Dr. Tobias Hecker, Institut für interdisziplinäre Konflikt- & Gewaltforschung, Universität Bielefeld
Projekttyp: Kooperationsprojekt
Fördersumme: 250 Tsd. Euro
Projektpauschale: 50 Tsd. Euro
Fördermittel gesamt: 300 Tsd. Euro
Laufzeit: 30 Monate

Zusammenfassung

Der Klimawandel gilt als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Besonders stark betroffen sind ländliche Regionen in Afrika, in denen viele Menschen von der Landwirtschaft und damit direkt von ausreichendem Wasser abhängig sind. Dürren, unregelmäßige Regenzeiten und extreme Hitze verschärfen die Wasserknappheit – mit weitreichenden Folgen für Gesundheit, soziale Beziehungen und den gesellschaftlichen Frieden. Unser Projekt untersucht, wie Klimawandel, psychische Belastungen und soziale Konflikte zusammenhängen und wie sich die Widerstandskraft („Resilienz“) von besonders verletzlichen Bevölkerungsgruppen stärken lässt.

Im Mittelpunkt stehen drei ländliche Gemeinden in Tansania. Dort erforschen wir, wie klimabedingte Ressourcenknappheit – insbesondere Wasserknappheit – Stress, psychische Belastungen und zwischenmenschliche Gewalt beeinflusst. Frauen und Mädchen sind besonders betroffen, da sie häufig für die Wasserbeschaffung zuständig sind und in Krisenzeiten einem erhöhten Risiko für Gewalt ausgesetzt sein können. Auch ältere Menschen und einkommensarme Haushalte tragen ein erhöhtes Risiko.

Unser Ansatz verbindet Erkenntnisse aus Psychologie, Gesundheitsforschung, Geographie sowie Umwelt- und Politikwissenschaft. Bisher konzentrieren sich viele Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel vor allem auf technische Lösungen, wie dürreresistente Pflanzen oder neue Bewässerungssysteme. Diese sind wichtig, greifen jedoch oft zu kurz, wenn psychische Belastungen, Misstrauen oder Konflikte die Umsetzung erschweren. Wir gehen davon aus, dass chronischer Stress dazu führen kann, dass Menschen weniger bereit sind, neue Wege zu gehen, Risiken einzugehen oder gemeinschaftlich zu handeln – alles Faktoren, die für erfolgreiche Anpassung entscheidend sind.

Das Projekt umfasst zwei zentrale Komponenten. Zunächst führen wir umfangreiche Befragungen in den beteiligten Gemeinden durch – jeweils zu zwei Zeitpunkten im Abstand von etwa einem Jahr. Dabei erheben wir Daten zu Wasser- und Ernährungssicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden, Erfahrungen mit Gewalt, Vertrauen und Kooperationsbereitschaft sowie zu konkreten Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel. Zusätzlich nutzen wir Satellitendaten, um klimatische Veränderungen wie Dürren objektiv zu erfassen. So können wir besser verstehen, wie Umweltveränderungen, psychische Belastungen und soziale Dynamiken zusammenwirken.

Im zweiten Schritt entwickeln wir gemeinsam mit lokalen Partnern konkrete Maßnahmen. In moderierten Dialogformaten bringen wir Gemeindemitglieder, lokale Entscheidungsträger, Nichtregierungsorganisationen und Forschende zusammen. Ziel ist es, technische Anpassungsmaßnahmen – etwa im Bereich Wassermanagement oder klimaangepasster Landwirtschaft – mit niedrigschwelligen psychologischen Unterstützungsangeboten zu verbinden. Diese orientieren sich an bewährten Programmen der Weltgesundheitsorganisation und werden gemeinsam an die kulturellen und sozialen Gegebenheiten vor Ort angepasst. Anschließend werden die entwickelten Maßnahmen in zwei Gemeinden erprobt und ihre Umsetzbarkeit wissenschaftlich begleitet.

Ein zentrales Anliegen des Projekts ist die Stärkung von Frauen, älteren Menschen und anderen benachteiligten Gruppen. Durch einen partizipativen Ansatz stellen wir sicher, dass ihre Perspektiven in die Entwicklung der Maßnahmen einfließen. Gleichzeitig fördern wir den wissenschaftlichen Nachwuchs in Tansania durch enge Kooperationen mit lokalen Universitäten und die Einbindung junger Forschender.

Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, Klimaanpassung ganzheitlich zu denken: Nicht nur als technische Herausforderung, sondern als soziale und psychologische Aufgabe. Wenn es gelingt, psychische Gesundheit, Vertrauen und Zusammenarbeit zu stärken, können Gemeinschaften besser auf klimabedingte Veränderungen reagieren. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen auch über Tansania hinaus nutzbar sein und Impulse für nachhaltige, gerechte und friedensfördernde Klimaanpassungsstrategien in anderen Regionen geben.

© Tobias Hecker