Fachtag Frieden
Frieden ist machbar – unter diesem Motto kamen am 2. Juli 2026 im Rathaus Schöneberg in Berlin zahlreiche Akteur*innen der zivilen Friedensarbeit und Friedens- und Konfliktforschung zusammen. In Workshops, Vorträgen, Ausstellungen, an Infoständen und bei einer Podiumsdiskussion wurde deutlich, wie vielfältig die Möglichkeiten und das Engagement sind. Gleichzeitig bot der Fachtag zahlreiche Gelegenheiten zum Austausch, zur Vernetzung und zur Diskussion aktueller Herausforderungen.
Professor Andreas Zick: Anmerkungen eines Konfliktforschers
In seinem Impulsvortrag „Give Peace a Chance: Anmerkungen eines Konfliktforschers“ ging Prof. Dr. Andreas Zick (Universität Bielefeld) auf aktuelle Entwicklungen in der Friedens- und Konfliktforschung ein. Er verdeutlichte, in welchem Umfang die Zahl zwischenstaatlicher Konflikte mit internationaler Beteiligung zugenommen hat, während gleichzeitig die Zahl multilateraler Friedenseinsätze und Friedensmissionen internationaler Organisationen zurückging. Zudem warf er einen Blick auf gesellschaftliche Einstellungen zur Demokratie, das wachsende Misstrauen in ihre Funktionsfähigkeit sowie die Zunahme extremer Ansichten und sinkender Toleranz. Zick schloss mit einem Appell für mehr emanzipatorischen Frieden, Offenheit und Inklusion – auch in unsicheren Zeiten.
Workshoprunde I – Handlungsfelder der Friedensarbeit
In parallelen Workshops wurden Konzepte und Ansätze der Friedensarbeit näher beleuchtet. Themen waren unter anderem friedenspädagogische Ansätze gegen Verschwörungserzählungen und Desinformation, kommunale Konfliktbearbeitung sowie Konzepte von Friedenslogiken.
Workshoprunde II – Praktische Erfahrungen der Friedensarbeit
In der zweiten Workshoprunde standen Handlungsoptionen und praktische Erfahrungen im Mittelpunkt. Zivile Expert*innen gaben Einblicke in ihre Arbeit im Rahmen einer Friedensmission der EU. Weitere Workshops beschäftigten sich mit dem Potenzial von Städtepartnerschaften für gewaltfreie Konflikttransformation sowie mit Rechten, Gründen und Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung.
Podiumsdiskussion: Wie eine Kultur des Friedens wachsen kann
Die abschließende Podiumsdiskussion machte noch einmal die Vielfalt der Friedensarbeit und Friedensforschung deutlich. Bezirksbürgermeister und Schirmherr Jörn Oltmann eröffnete die Runde mit einem Plädoyer für eine starke und lebendige Erinnerungskultur. Zudem hob er die Bedeutung kommunaler Friedensarbeit hervor, etwa durch Städtepartnerschaften sowie die Aufnahme und Unterstützung Geflüchteter.
Im weiteren Verlauf betonte Ginger Schmitz, Geschäftsführerin der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, wie wichtig Räume für engagierte Menschen sind. Friedensfähigkeit müsse gestärkt und Friedensarbeit stärker in politische Debatten eingebracht werden.
Dr. Thomas Held, Geschäftsführer der DSF, stellte die Stiftung als „Anstifterin“ für nachhaltige und innovative Forschungsprojekte der Friedens- und Konfliktforschung vor. Er unterstrich die Bedeutung des Transfers wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Gesellschaft und Politik als wichtiges Element der geförderten Projekte sowie der stiftungseigenen Aktivitäten in diesem Feld.
Uli Jäger von der Berghof Foundation hob die Friedenspädagogik als zentralen Baustein ziviler Friedensarbeit hervor, der auch im digitalen Raum zunehmend an Bedeutung gewinne. Entscheidend sei es, Dialogräume zu schaffen und damit eine unabhängige, faktenbasierte Meinungsbildung zu ermöglichen.
Abschließend stellte Cornelia Brinkmann von steps for peace die Vision einer „Friedensfabrik“ vor. Ziel des Projekts ist es, Wissen, Erfahrungen und Kompetenzen aus der Friedensarbeit künftig an einem zentralen Ort zu bündeln und besser zugänglich zu machen. So soll Friedensarbeit sichtbarer werden und der Austausch zwischen unterschiedlichen Akteur*innen gestärkt werden.
Infostände und Ausstellungen
Ergänzt wurde das Programm durch fünf Friedensausstellungen und zahlreiche Infostände verschiedener Organisationen.
Der Fachtag wurde initiiert von steps for peace und durchgeführt in Kooperation mit der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF), Brot für die Welt, der Robert Bosch Stiftung, der Berghof Foundation, der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung und dem Konsortium Ziviler Friedensdienst. Gefördert wurde der Tag von der Landeszentrale für politische Bildung.








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