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Auf dem Bild ist das Logo der Stiftung in klein abgebildet.Climate Change and Defense: Military Practice at the Intersection of Local Livelihoods and State Sovereignty

Projektleitung: Prof. Dr. Benno Fladvad, Universität Hamburg
Projekttyp: Pilotprojekt
Fördersumme: 72 Tsd. Euro
Laufzeit: 12 Monate

Zusammenfassung

Klimawandel und Verteidigung: Militärische Praxis im Spannungsfeld zwischen dem Schutz lokaler Lebensgrundlagen und staatlicher Souveränität

Der Klimawandel transformiert die Arktis auf fundamentale Weise. Während einerseits unmittelbare Bedrohungen für Lebensgrundlagen, Infrastrukturen und Ökosysteme entstehen, werden andererseits Prozesse angestoßen, die staatliche Souveränitätsansprüche, den Zugang zu Ressourcen, geopolitische Konstellationen und wirtschaftliche Interessen neu ordnen. Das Abschmelzen des Polareises, tauender Permafrost sowie tiefgreifende ökologische Veränderungen beeinträchtigen nicht nur alltägliche Versorgungs- und Lebensweisen vor Ort, sondern erschließen zugleich vormals schwer zugängliche Räume. Infolgedessen steigen die Anforderungen an Überwachung, territoriale Präsenz und die kontinuierliche Behauptung von Souveränität. Dies führt dazu, dass militärische Akteure zunehmend direkt in klimaspezifische Reaktionszusammenhänge eingebunden werden, was sowohl eine Ausweitung der militärischen Präsenz, als auch neue Infrastrukturvorhaben nach sich zieht.
Da der Klimawandel lange Zeit primär als Gegenstand ziviler Politikfelder im Kontext von Mitigation und Adaptation behandelt wurde, wirft seine zunehmende Verflechtung mit militärischen Strategien und Verteidigungsprioritäten, insbesondere in der Arktis, grundlegende und drängende Fragen auf. Diese betreffen die Definition und Priorisierung von Bedrohungen im Zuge der sicherheitspolitischen Rahmung von Umweltveränderungen, die Transformation zivil-militärischer Beziehungen und Abhängigkeiten, die Interpretation, Aushandlung und Gewichtung lokaler Bedürfnisse im Spannungsfeld nationalstaatlicher Sicherheitsinteressen, sowie die Konsequenzen einer wachsenden militärischen Präsenz für arktische Räume und lokale Gemeinschaften. Darüber hinaus stellt sich die grundlegende Frage, wie das Konzept der Klimasicherheit verstanden und praktiziert wird, wenn militärische Akteure zunehmend in alltägliche Routinen und übergeordnete Governance-Strukturen eingebunden sind.
Mit Fokus auf die kanadische Arktis untersucht das Projekt diese Dynamiken in einem Raum, der durch immense Distanzen, disperse Siedlungsstrukturen und die fortwährende Herausforderung territorialer Präsenz geprägt ist. Da Kanadas Arktis- und Verteidigungspolitik Umweltveränderungen zunehmend mit Fragen der Zugänglichkeit von Ressourcen und staatlicher Souveränität verknüpft, bietet dieser Kontext ein besonders aufschlussreiches Beispiel dafür, wie klimabedingte Transformationen in militärische Praktiken und Strategien übersetzt werden. Daran anschließend fragt das Projekt: Wie werden zivile Bereiche, insbesondere lokale Gemeinschaften und Infrastrukturen, zugleich als vulnerabel und strategisch relevant definiert? Und wie verändert diese doppelte Zuschreibung das Verhältnis zwischen zivilem Leben und militärischem Handeln?
Im Zentrum der praxistheoretischen Untersuchung, die Interviews und Beobachtungen verbindet, stehen die Joint Task Force North (JTFN) sowie die 1st Canadian Ranger Patrol Group (CRPG1) als tragende Säulen der kanadischen Militärpräsenz in der Arktis. Die Canadian Rangers, die sich überwiegend aus Angehörigen indigener und lokaler Gemeinden zusammensetzen, operieren in weitläufigen Regionen unter den Bedingungen einer begrenzt vorhandenen konventionellen Militärinfrastruktur. Ihre Praktiken, und jene der Joint Task Force North, durchbrechen zivil-militärische Binaritäten und bieten wertvolle Einblicke darin, wie Herausforderungen und Risiken im Zusammenhang mit Umweltveränderungen in verteidigungspolitische Praktiken integriert werden.
Insgesamt soll das Projekt aufzeigen, dass der Klimawandel nicht lediglich bestehende Risiken verstärkt und multipliziert, sondern dass materielle Veränderungen im Kontext der globalen Erwärmung selbst als strukturierende Kraft auf die Bedingungen wirken, unter denen Sicherheit definiert und praktiziert wird. Ziel der Forschung ist es daher zu verstehen, wie ökologische Transformationen und geopolitische Anliegen zunehmend als miteinander verflochten definiert und bearbeitet werden. Auf diese Weise bringt das Projekt Erkenntnisse über die Interaktion von Klimawandel und Verteidigung in die wissenschaftliche Debatte zur Klimasicherheit ein und bereitet sie zugleich für zivilgesellschaftliche und politische Akteure auf. Dabei stehen die Sichtbarmachung inklusiver und progressiver Ansätze von (Klima-)Sicherheit sowie ein besseres Verständnis nationalstaatlicher Sicherheitsinteressen und ihrer Auswirkungen auf lokale Räume und Zivilgesellschaft im Mittelpunkt. Um den Wissenstransfer zu ermöglichen, werden die Projektergebnisse in einem Policy Paper sowie in kurzen Formaten wie Blogposts veröffentlicht und durch den Austausch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen in Kanada ergänzt und weiterentwickelt.

Abstract

Climate Change and Defense: Military Practice at the Intersection of Local Livelihoods and State Sovereignty

Climate change is transforming the Arctic in fundamental ways. While it poses immediate, first-order threats to livelihoods, infrastructures and ecosystems, it also produces second-order effects that reshape territorial sovereignty imperatives, access to resources, and geopolitical as well as economic dynamics. Melting ice, thawing permafrost, and changing environmental conditions are not only disrupting everyday life, but also open up previously inaccessible regions, intensifying demands for surveillance, territorial presence, and sovereignty expression. These developments are drawing military actors more directly into climate-related responses, contributing to expanding militarization and new infrastructure projects across the region.
Given that climate change has long been treated primarily within the confines of civilian policy realms, especially in terms of mitigation and adaptation, its growing entanglement with military and defense priorities, particularly in the Arctic, raises a set of fundamental and pressing issues. These include the ways in which threats are defined and prioritized as environmental change is reframed as a matter of national security; how civil-military relations and the dependencies that emerge from them are being reshaped; how local needs are interpreted and weighed against national security interests; and what an expanding military presence means for Arctic environments and communities. More broadly, this raises questions as to how the concept of climate security is understood and put into practice as military actors become increasingly embedded in both everyday routines and wider systems of climate governance.
Focusing on the Canadian Arctic, the project examines how these dynamics unfold in a context shaped by vast distances, dispersed communities, and long-standing concerns around sovereignty and territorial presence. As Canada’s Arctic governance and defense strategies increasingly link environmental change to questions of access, infrastructure, and territorial sovereignty, the region is becoming an increasingly relevant and illustrative case for understanding how climate-related transformations are being integrated into defense and military practices and strategies. Building on this, the project asks in particular: How are changing environmental conditions translated into concrete security practices in the Arctic? How are civilian domains, such as communities and infrastructures, redefined as both vulnerable and strategically relevant? And how does this dual role reshape the relationship between civilian life and military activity?
Adopting a practice-oriented approach, involving interviews and observations, the project focuses on the Joint Task Force North (JTFN) and the 1st Canadian Ranger Patrol Group (CRPG1), two central components of Canada’s military presence in the Arctic. Composed largely of Indigenous and local community members, the Rangers operate in Northern areas where conventional military infrastructure is limited. Their activities, alongside those of Joint Task Force North, blur civil-military boundaries and offer valuable insights into how environmental change related challenges and risks are being integrated into defense practices.
As a whole, the project explores not only how climate change is producing new risks and multiplying threats that need to be addressed, but also how material changes in the context of global warming are actively reorganizing the ways in which security is defined and practiced. In consequence, it seeks to understand how ecological transformations and geopolitical concerns are increasingly defined and addressed as intertwined. In this way, the project aims to shed light on the relationship between climate change and defense policy and practice within academic debates on climate security, while also translating them for use by civil society and policy-oriented actors. It is intended to reveal inclusive and progressive approaches to (climate) security, as well as deepening understandings of how state-centered security interests shape and affect local spaces and civil society. To facilitate knowledge exchange beyond academia, the findings will be disseminated through a policy paper and through shorter and more accessible formats, such as blog posts. Where feasible, these will be complemented by exchanges with civil society organizations in Canada, helping to further refine the findings and situate them in different contexts.

Link to: Neue Ausgabe des „Notizblog“ Link to: Neue Ausgabe des „Notizblog“ Neue Ausgabe des „Notizblog“Auf dem Bild ist das Cover des Newsletters zu sehen.© Deutsche Stiftung Friedensforschung Link to: Wechsel im Vorstand – Malte Göttsche ist neuer Vorsitzender Link to: Wechsel im Vorstand – Malte Göttsche ist neuer Vorsitzender Die Stiftungsratsvorsitzende PStSin Dr. Silke Launert mit dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Ulrich Schneckener (rechts) und dem neuen Vorsitzenden Prof. Dr. Malte Göttsche (links)Ronka OberhammerWechsel im Vorstand – Malte Göttsche ist neuer Vorsitzender
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