Aktualisierung des San Remo Handbuchs zum Seekriegsrecht

Kopenhagen, 30.09. bis 04.10.2019
Projektleiter: Prof. Dr. Wolff Heintschel von Heinegg, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Fördersumme: 20 Tsd. Euro

Zusammenfassung

Das San Remo Handbuch zum Seekriegsrecht aus dem Jahr 1994 wird 25 Jahre alt. Aufgrund moderner Seekriegsführung sowie der fortschreitenden Entwicklung technologischer und rechtlicher Rahmenbedingungen bedarf das Handbuch einer Aktualisierung.

Aus diesem Anlass findet unter der Schirmherrschaft des Internationalen Instituts für humanitäres Völkerrecht mit Sitz in San Remo eine voraussichtlich dreiteilige Tagungsserie statt, die in Kopenhagen mit einem ersten Arbeitstreffen vom 30. bis zum 04. Oktober 2019 auf Initiative von Prof. Dr. Wolff Heintschel von Heinegg (Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)) eröffnet wird. Großzügig unterstützt wird das Treffen nicht nur von der Deutschen Stiftung Friedensforschung, sondern auch vom Auswärtigen Amt und dem Royal Danish Defence College.

Das San Remo Handbuch dient diversen Militärhandbüchern, der Politik sowie der internationalen Justiz als Grundlage und gehört zur Standardlektüre im Bereich des humanitären Völkerrechts, insbesondere des Seekriegsrechts. Zwar ist das Handbuch rechtlich nicht bindend, jedoch stellt der Großteil seiner 183 Artikel Ausdruck geltenden Völkergewohnheitsrechts dar. Somit folgt aus ihm ein gewisser rechtlicher Konsens in der Staatengemeinschaft, der Rechtssicherheit schafft.

Um diese Rechtssicherheit zu wahren und um voranschreitenden Entwicklungen in Recht und Kriegsführung Rechnung zu tragen, wird eine unabhängige Gruppe internationaler Experten und Expertinnen bestehende Regelungen überarbeiten sowie Lücken identifizieren und schließen. Zu diesem Zweck werden renommierte und Vertreter und Vertreterinnen der Völkerrechtswissenschaft sowie aus Militär und Politik aus mehr als 13 Ländern zusammenkommen, darunter aus für das Seekriegsrecht bedeutenden Staaten wie unter anderem China, USA, Russland und Japan.

Da das humanitäre Völkerrecht den Zweck verfolgt, unnötige Leiden sowie eine unnötig hohe Opferzahl zu verhindern, Auswirkungen auf unbeteiligte Drittstaaten möglichst gering zu halten und den Schutz besonders verwundbarer Gruppen zu gewährleisten, liegt eine Aktualisierung im Interesse der internationalen Friedenspolitik. Dieses Interesse findet nicht zuletzt auch Bestätigung in der zunehmenden Bedeutung der Meere für den internationalen Handel:  Im Jahr 2017 wurden über 90 Prozent der Waren über den Seeweg verbracht, woran der große Stellenwert, der maritimer Sicherheit eingeordnet werden muss, umso deutlicher wird. Ein bewaffneter Konflikt zu See würde in vielen Fällen die gesamte Weltwirtschaft beeinträchtigen; dies macht aktualisierte und möglichst universell anerkannte Regelungen hinsichtlich der Seekriegsführung unentbehrlich, um einer etwaigen Ausweitung eines Konflikts entgegenzuwirken und die Betroffenheit des Welthandels einzudämmen.

Im Zuge des ersten Arbeitstreffens werden ausgewählte Themenbereiche, zu denen jeweils ein Experte ein Thesenpapier vorab angefertigt, vorgestellt und diskutiert. Die Themenbereiche werden insbesondere die identifizierten Lücken umfassen, die es im San Remo Handbuch zu schließen gilt. Hierzu gehören etwa ausstehende Fragen zu neue Waffensystemen und deren allgemeinen und besonderen Einsatz. Insbesondere um dem Ziel des humanitären Völkerrechts gerecht zu werden, unnötige Leiden und unnötig viele Opfer zu vermeiden, besteht diesbezüglich ein Klärungsbedarf. Auch erfassen die zurzeit bestehenden Regelungen nicht ausdrücklich Unbemannte Maritime Systeme,weswegen deren Rechtsstatus – etwa, ob sie per se als Kriegsschiffe zu gelten haben – bisher ungeklärt ist. Eine somit erforderliche dynamische Auslegung bestehender Regelungen birgt Unsicherheiten, weshalb Fragen wie die der Schifffahrtsfreiheit oder bezüglich Besonderheiten hinsichtlich automatisierter beziehungsweise autonomer Systeme besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden wird. Nicht zuletzt werden die ExpertInnen sich Operationsgebieten zuwenden. Ob und wie Archipelgewässer, insbesondere Archipelschiffahrtswege, von Konfliktparteien genutzt werden dürfen und welche Anforderungen an die gebührende Rücksichtnahme zu stellen sind, soll besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Jedes dieser Thesenpapiere wird von den Experten vorgestellt und diskutiert, anschließend werden die Diskussionsergebnisse festgehalten und in die Thesenpapiere eingearbeitet. Auf diesen Diskussionsergebnissen werden die in den kommenden Jahren folgenden Tagungen aufbauen.

Abstract

First Meeting of the Group of Experts for the Revision of the San Remo Manual on International Law Applicable to Armed Conflicts at Sea

The San Remo Manual on International Law Applicable to Armed Conflicts at Sea, first adopted in 1994, is turning 25 years old. Because of the modernisation of naval warfare as well as the progressing development of technological and legal frameworks, the San Remo Manual requires an update.

On this occasion, a meeting under the patronage of the International Institute of Humanitarian Law in San Remo will take place in presumably three parts. The first part of the conference will take place in Copenhagen from the 30th of September until the 4th of October 2019 on the initiative of Professor Wolff Heintschel von Heinegg (Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)). The meeting is going to be generously funded by the Deutsche Stiftung Friedensforschung, the German Federal Foreign Office and the Royal Danish Defence College.

The San Remo Manual serves as the foundation for politics, international justice and a variety of military manuals and is considered a “must read” in the field of humanitarian law, especially the law of naval warfare. Even though the San Remo Manual is not legally binding, the majority of its 183 articles is considered international customary law, expressing some form of legal consensus amongst the international community and thus creating legal compliance.

In order to maintain the desired level of compliance and to adapt to the progress in law and warfare, an international group of independent experts will revise the existing regulations as well as identify and close any remaining regulatory gaps. For this purpose, renowned and experienced legal experts and representatives of the military sector and the governments of more than 13 countries will come together. Many members of the international community playing an important role in the legal field of naval warfare will be represented, such as the USA, Russia, China and Japan.

Because humanitarian law follows the purpose of preventing unnecessary suffering, a high number of casualties and any ramification for uninvolved third parties as well as protecting vulnerable groups, the update of the San Remo Manual lies within the scope of interest of international peace politics. This interest is furthermore reflected in the increased importance of the oceans for international trade: In 2017, more than 90% of the world’s trade commodities were transported via maritime routes, which highlights the crucial role of maritime security. Thus, an armed conflict at sea may compromise the global economy. This risk makes a prevailing universally recognized set of regulations regarding the law of naval warfare indispensable to combat the possible impact of conflicts on global trade.

In the course of the first part of the meeting, a selection of topics will be presented and discussed to which one expert respectively has prepared one thesis paper beforehand. This list of topics will include above all the identified gaps in the San Remo Manual this conference aims to close. These gaps, for instance, involve the questions regarding new weapon systems and their overall and specific uses. As to those, the focus will lie on to what extend those new systems comply with the goals and purpose of humanitarian law mentioned above. Additionally to that, the current San Remo Manual does not include any regulations concerning unmanned maritime systems. This results in the uncertainty regarding their legal status and, for instance, whether they should per se be considered as warships. Hence, a dynamic interpretation of those rules contains uncertainty, which is why the questions regarding the freedom of navigation or autonomous or automatic systems will be given special attention. At last, the experts will explore the areas of operation, especially the questions concerning the right to use archipelagic waters and –routes by parties of a conflict and to what extend there needs to be a level of consideration regarding their use.

Each of these thesis papers will be presented and discussed by the group of experts. Subsequently, feedback will be exchanged and incorporated into the thesis paper. The results of these debates will provide the basis for the following meetings, which will complete the update process over the next years.