Social-psychological underpinnings of support for secession in contexts previously affected by secession conflict
Projektleitung: Dr. Tijana Karić, Philipps-Universität Marburg; Prof. Dr. Christopher Cohrs, Philipps-Universität Marburg; Dr. Magdalena Bobowik, University of the Basque Country
Projekttyp: Pilotprojekt
Fördersumme: 50 Tsd. Euro
Laufzeit: 10 Monate
Abstract
Social psychological research has largely overlooked the factors that shape support for territorial secession, even though secession movements can heighten the risk of conflict escalation. Secession campaigns often draw on identity politics: strong identification with an ethnic, cultural, or religious group is used to mobilize support for seeking autonomy or independence. These movements frequently emerge in response to perceived cultural or economic threats. Social psychology can help understand how identities and threat perceptions shape support for secession, and what psychological mechanisms may contribute to secession-related conflicts.
The project focuses on two post-conflict contexts with secession tendencies: the Basque Country (BC) in Spain and Republika Srpska (RS) in Bosnia and Herzegovina. Both regions have autonomous governance structures and are inhabited by ethnic groups with strong secessionist movements. Regardless of these commonalities, both have different contextual backgrounds. These differences are crucial to consider in exploring the varied dynamics of secessionist support.
We employ a social psychological approach based on social identity, relative deprivation, and intergroup threat theories. Our exploratory model suggests that different national and ethnic identity patterns, along with collective relative deprivation, are important factors influencing support for secession. Moreover, group-level psychological mechanisms, especially perceptions of intergroup threat, play a mediating role. Our model posits that different identity patterns and collective relative deprivation can predict varying levels of perceived cultural and economic threat, leading to different levels of support for secession. The model also investigates the impact of indispensability meta-perceptions (perceptions by members of groups motivated to secede about how indispensable the outgroups may think they are) on the relationship between identity, collective relative deprivation, and perceived intergroup threat.
The project involves two work packages. In the first, we use cross-sectional surveys to collect data among Serbs in Bosnia and Herzegovina and Basques in Spain. This package explores the relationships between national and ethnic identification, collective relative deprivation, and various secession-related outcomes. The second work package involves experimental manipulations of indispensability meta-perceptions to test their effects on secession-related outcomes and perceived threat. We will analyze data using structural equation mixture modeling, allowing latent profiles to serve as predictors in a structural equation model. The goal is to provide a nuanced understanding of social psychological factors that contribute to support for secession and related outcomes. We expect the project findings to be particularly useful for political and civil society actors who are interested in constructive ways of dealing with conflict in contexts with secession tendencies.
Zusammenfassung
In sozialpsychologischer Forschung wurden die Faktoren, die die Unterstützung für territoriale Sezessionen beeinflussen, bisher wenig untersucht, obwohl Sezessionsbewegungen das Risiko für Konflikteskalation erhöhen können. Sezessionskampagnen stützen sich oft auf Identitätspolitik: Eine starke Identifikation mit einer ethnischen, kulturellen oder religiösen Gruppe wird genutzt, um Unterstützung für die Forderung nach Autonomie oder Unabhängigkeit zu mobilisieren. Diese Bewegungen entstehen häufig als Reaktion auf wahrgenommene kulturelle oder wirtschaftliche Bedrohungen. Die Sozialpsychologie kann dabei helfen zu verstehen, wie Identitäten und Bedrohungswahrnehmungen die Unterstützung für eine Sezession beeinflussen und welche psychologischen Mechanismen zu Konflikten im Zusammenhang mit einer Abspaltung beitragen können.
Das Forschungsprojekt konzentriert sich auf zwei Postkonfliktkontexte mit deutlichen Sezessionstendenzen: das Baskenland (BC) in Spanien und die Republika Srpska (RS) in Bosnien und Herzegowina. Beide Regionen verfügen über autonome Regierungsstrukturen, und in beiden leben ethnische Gruppen mit starken sezessionistischen Bewegungen. Ungeachtet dieser Gemeinsamkeiten unterscheiden sie sich in ihrem kontextuellen Hintergrund. Diese Unterschiede müssen bei der Untersuchung der vielfältigen Dynamiken der Unterstützung für Sezession unbedingt berücksichtigt werden.
Wir verwenden einen sozialpsychologischen Ansatz, der auf Theorien zur sozialen Identität, relativen Deprivation und zwischenmenschlichen Bedrohung basiert. Unser exploratives Modell nimmt an, dass unterschiedliche nationale und ethnische Identitätsmuster sowie kollektive relative Deprivation wichtige Faktoren sind, die die Unterstützung für eine Sezession beeinflussen. Darüber hinaus spielen psychologische Mechanismen auf Gruppenebene, insbesondere die Wahrnehmung gruppenbezogener Bedrohung, eine vermittelnde Rolle. Unser Modell geht davon aus, dass unterschiedliche Identitätsmuster und kollektive relative Deprivation unterschiedlich starke wahrgenommenen kulturellen und wirtschaftlichen Bedrohung vorhersagen, was zu unterschiedlich starker Unterstützung für Sezession. Das Modell untersucht auch den Einfluss von Meta-Wahrnehmungen der Unentbehrlichkeit (Wahrnehmungen von Mitgliedern von Gruppen, die zur Sezession motiviert sind, darüber, wie unentbehrlich andere Gruppen sie halten) auf die Beziehung zwischen Identität, kollektiver relativer Deprivation und wahrgenommener intergruppaler Bedrohung.
Das Projekt umfasst zwei Arbeitspakete. Im ersten Paket verwenden wir Querschnittserhebungen mit Serben in Bosnien und Herzegowina und Basken in Spanien, um die Beziehungen zwischen nationaler und ethnischer Identifikation, kollektiver relativer Benachteiligung und verschiedenen sezessionsbezogenen Ergebnissen zu untersuchen. Das zweite Arbeitspaket umfasst experimentelle Manipulationen der Meta-Wahrnehmung von Unentbehrlichkeit, um deren Auswirkungen auf sezessionsbezogene Ergebnisse und die wahrgenommene Bedrohung zu testen. Wir werden die Daten mithilfe von Strukturgleichungsanalysen auswerten, wobei latente Profile als Prädiktoren in einem Strukturgleichungsmodell dienen. Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis der sozialpsychologischen Faktoren zu vermitteln, die zur Unterstützung der Sezession und weitergehenden Handlungstendenzen beitragen. Wir erhoffen uns, dass die Projektergebnisse besonders für Akteure in Politik und Zivilgesellschaft nützlich sind, die auf konstruktives Zusammenleben und Konfliktbearbeitung in Kontexten mit Sezessionsbestrebungen hinarbeiten.